Nach dem letzten evangelischen Gottesdienst in der Marienschule in Helden gab es einen kleinen Sektempfang und ein opulentes Frühstück für die Gottesdienstbesucher Foto: Karl-Hermann Ernst

Es war genau 9:25 Uhr am vergangenen Sonntag (4.11.), als Pfarrer Dr. Christof Grote den letzten regulären Gottesdienst der evangelischen Kirchengemeinde Attendorn in der Marienschule beendete. Mit diesem Abendmahlgottesdienst endete auch eine über 70 Jahre andauernde Gottesdienst-Geschichte der Predigtstelle Helden, die das ganze Repetal und den Olper Ortsteil Oberveischede umfasst.

Das Küsterehepaar Margret und Horst Krüger ließen es sich nicht nehmen, an ihrem letzten „Dienst-Tag“ die Gottesdienstbesucher mit einem Glas Sekt und einem opulenten Frühstück zu verabschieden. Dass dabei auch Erinnerungen wach wurden und ein klein wenig Wehmut aufkam, ließ sich nicht leugnen.

Schon in seiner Predigt hatte Dr. Grote einen kleinen Rückblick auf die Geschichte des Gemeindeteils Helden und seine Gottesdienste gegeben. Nach dem verlorenen zweiten Weltkrieg lebten auf einmal im bis dahin rein katholisch geprägten Repetal evangelische Christen, die Flucht oder Vertreibung ins Sauerland gespült habe.

Sie seien heimatlos geworden und auf der Suche nach zurückgebliebenen Angehörigen, nach einer neuen Existenz, nach einem kleinen Stück Heimat. Ein solches Stück Heimat habe damals die evangelische Kirchengemeinde Attendorn mit ihrem Angebot in Helden angeboten: Mit Gottesdiensten, die in der katholischen Marienschule gefeiert wurden, wobei man nach dem Neubau der Schule ebenfalls in die neuen Räume mit umgezogen sei. Auch Kindergottesdienste hätten im Angebot gestanden. Es habe Weihnachtsfeiern gegeben, die mit dafür sorgen sollten, den Zusammenhalt zu stärken.

In den 1960er Jahren schaffte die Gemeinde einen Kleinbus an, mit dem unter anderem die Gottesdienstbesucher aus Oberveischede und Tecklinghausen jahrelang von Karl-Hermann Ernst abgeholt und wieder zurück gebracht worden seien. In den letzten Jahren habe dieser dann sogar seinen Privatwagen benutzt, weil auch hier immer weniger Gemeindeglieder den Gottesdienst besuchen wollten.

Weihnachtsfeier in der Marienschule in Helden im Jahre 1963
Repro: Karl-Hermann Ernst

Was die Menschen im Repetal somit erleben konnten, sei ein Stück der verlorenen Heimat, ein Stück Gemeinschaft gewesen. Wenn man auch in einer (noch) fremden Umgebung leben musste, so habe es doch wenigstens die vertraute Liturgie, die gewohnten Lieder und die gute evangelische Tradition der Predigt gegeben.

Pfarrer Dr. Grote ging auch auf die Gründe für die Aufgabe der regelmäßigen Gottesdienste ein. So habe sich das Ende schon lange abgezeichnet. Immer weniger Gottesdienstbesucher konnten die Küsterinnen zählen, sodass zuletzt nur noch wenige ganz Treue, die meisten davon aus dem Stadtkern, die Gottesdienste besuchten. Er freue sich zwar über den guten Besuch beim letzten Gottesdienst, aber diese Besucherzahl sei leider nicht typisch und auch nicht alle 14 Tage wiederholbar. Denn sonst wäre die Entscheidung, in Helden vorerst keinen regelmäßigen Gottesdienst mehr anzubieten, bestimmt vom Presbyterium nicht getroffen worden. Daher lade er die Gemeindeglieder aus dem Repetal zu den Gottesdiensten in der Erlöserkirche in Attendorn und der Friedenskirche in Petersburg herzlich ein.

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