„Du musst in der Schule immer aufpassen, damit du später einen guten Beruf bekommst!“

Mit solch einer hohlen Phrase aus der Erwachsenenwelt können Grundschulkinder in der Regel noch nicht viel anfangen.
Und so zog die Grundschullehrerin Angela Klose mit ihrer Klasse 3d der Sonnenschule diesmal ins echte Berufsleben der Friseuse Silke Gebauer, der Akademie Biggesee, des Cafe Moses und des Freizeitbades Olpe und die Kinder waren begeistert.

„Also ich geb jetzt Gas und werde nach der Schule hundertpro Friseuse“, stand für eine Drittklässlerin nach dem Besuch bei der Friseuse Frau Gebauer fest. Und sie will in Zukunft ganz gut lernen, damit sie das schafft.

Und als die Tochter eines polnischen Vaters aus der Klasse in der Akademie Biggesee hörte, dass am Nachmittag noch polnische Gäste anreisen und die Verständigung manchmal problematisch ist, hatte auch sie spontan „ihren“ Beruf gefunden: Sie will demnächst Dolmetscherin in der Akademie werden und dann übersetzen.

Auch ein Junge konnte sich spontan sehr gut vorstellen, später einmal in der Küche der Akademie zu arbeiten, obwohl die Arbeitsbedingungen laut Küchenchef Herrn Mertens nicht optimal sind und er Probleme hat, Nachwuchs zu finden.

Hier ein paar Impressionen von den außerschulischen Lernorten:

Friseuse Frau Silke Gebauer

Frau Gebauer, Friseuse und Mama des kleinen Malte aus der Klasse 1c in Neu-Listernohl, gelang es durch ihre umfangreichen und kindgerechten Vorbereitungen bei den Kindern der 3d so tiefe Eindrücke und Begeisterung für ihren Beruf zu schaffen, dass dreiviertel der Mädchen und sogar ein Junge anschließend hoch motiviert das Friseurhandwerk erlernen wollten.

So durften die Kinder zum einen an drei Modelköpfen nach Herzenslust Haare schneiden, Lockenwickler einarbeiten, einen Haarglätter kennenlernen und jedes Mädchen bekam mit einem Haarcurler eine wunderschöne Schillerlocke gezaubert. Da zu einem schönen Gesicht je nach Anlass aber nicht nur eine chice Frisur, sondern auch ein wenig Schminke gehört, durften die Mädels dann auch noch zwischen 2 Farbtönen eines Lippgloss auswählen, um das Erscheinungsbild perfekt zu machen.

Die Jungs sahen dem anfänglichen Treiben sehr skeptisch zu. Sie hielten Abstand und es war ihnen offensichtlich peinlich, sich mit diesem für sie wohl typischen Frauenberuf auseinanderzusetzen. Aber nach einiger Zeit tauten sie auf und begaben sich mit Hingabe an die Köpfe der hübschen Frauen.

Auch die Jungs kamen auf ihre Kosten. Sie durften sich von Frau Gebauer mit einer Art Mascarastift Strähnen ins Haar zaubern lassen. Ein Mitschüler hatte sich sogar bereit erklärt, sich die Haare waschen, schneiden, föhnen und mit Strähnchen verschönern zu lassen.

Natürlich mussten die schönen Frauenköpfe zum Schluss mit aufs Gruppenbild und wurden die echten Gesichter einfach mit aufs Foto geschmuggelt.

Akademie Biggesee

Frau Martina Sperling, Mama eines Mädchens aus der Klasse und Sekretärin an der Akademie Biggesee, hatte den Kindern eine Berufserkundung bei ihrem Arbeitgeber ermöglicht. Bei einer spannenden Führung durch Herrn Hesse staunten die Kinder nicht schlecht, als sie hörten, dass dort 30 Menschen einem Beruf nachgehen: Herr Dittmann, der die Akademie leitet und u.a. eine Sekretärin, Empfangsdamen, 2 Hausmeister, Köche und Beiköche, eine Hausdame, Reinigungskräfte, Seminarleiter und Servicekräfte.

Herr Hesse machte den Drittklässlern deutlich, was für ein Haus die Akademie ist, nämlich eine Schule für Erwachsene, in der man in der Regel mehrere Tage bleibt, für die man bezahlen muss, in der man rundum verpflegt wird und über Nacht bleiben und tolle Freizeitangebote wie Kegelbahn, Sauna, Kickertische, Billiard, Tischtennis, Volleyball, Fernsehen, Fahrradausleihe, Fitnessraum, Bar und ein riesiges outdoor Schachspiel nutzen kann.

Die Kinder löcherten Herrn Hesse mit zahlreichen Fragen: „Ist Herr Dittmann so eine Art Rektor?“ – „Gibt es bei euch auch Noten?“ – Muss man pünktlich zum Unterricht da sein?“ – „Kriegt hier jeder für seine Arbeit Geld und kriegt jeder gleich viel?“

Bevor die Kinder den chinesischen jungen Gästen in Kooperation mit jungen Deutschen in einem Seminarraum bei der Arbeit zuschauen durften, wurde schnell „guten Morgen“ auf Chinesisch eingeübt und als die Seminarleiterin die Tür öffnete und die Drittklässler ein lautes „ni hau“ riefen, war die Überraschung und der Spaß auf beiden Seiten riesengroß.

Cafe Moses

Im Cafe erfuhren die Schüler und Schülerinnen u.a. den Unterschied zwischen einer Bäckerei und einer Konditorei und welche Möglichkeiten es gibt, dass ein Brötchen schön aufgeht und außen knusprig und innen weich ist. Gemeinsam mit Peter Lütticke überlegten die Kinder auch, welche Dinge Herr Lütticke alles bezahlen muss und wie er das Geld wieder hereinbekommt und auch noch ein wenig für ihn zum Leben übrig bleibt. Den Kindern war schnell klar: Dann muss das, was er verkauft, teurer sein als sein Einkauf und er muss sehr gut rechnen können, sonst geht man irgendwann „pleite“.

„Was passiert, wenn ein Bäcker oder Konditor eine Mehlstaballergie bekommt und davon richtig krank wird?“, wollte der Cafebesitzer wissen. Auch hier hatten die Kinder tolle Ideen: „Dann kann er doch hier Eis verkaufen oder Leute bedienen oder sich einen anderen Beruf suchen“.

Beeindruckend für die Kinder war auch die Ausrollmaschine, die verschiedene Teigsorten auf den Millimeter genau ausrollen kann und die kleine Geschichte von Peter Lütticke am Schluss: „Wisst ihr eigentlich, was eine Kuvertüre ist?“ Keiner wusste es. „Das ist wie ein Umschlag/Kuvert, in das man z.B. einen Liebesbrief steckt. Der Umschlag soll den Inhalt, nämlich die lieben Worte, beschützen. Und genauso ist es bei uns mit der Kuvertüre: Das wertvolle Innere, z.B. das Marzipan, wird durch die äußere Kuvertüre geschützt!“

Freizeitbad Olpe

Einmal im Jahr öffnet sich das Tor zum Keller des Freizeitbades Olpe, um Besuchern Einblicke hinter die Kulissen – in die Technik des Bades zu ermöglichen. Dies nutzen die Kinder der Klasse 3d mit ihrer Klassenlehrerin Angela Klose aus der Sonnenschule in Neu-Listernohl bei ihrer letzten Berufserkundung und sie erhielten spannende Einblicke in ihr aktuelles Sachunterrichtsthema „Berufe“.

So staunten sie nicht schlecht, als sie während ihres informativen Rundgangs – begleitet vom Betriebsleiter Herrn Spille und seiner Mitarbeiterin Frau Renko-Bröcher – erfuhren, dass insgesamt rund 50 Mitarbeiter im Wechseldienst dort arbeiten: u.a. Schwimmmeister, Saunameister, Kaufleute, Techniker, Reinigungskräfte, Empfangsdamen, Kassiererinnen und Auszubildende zum Fachangestellten für Bäderbetriebe.

Dass so viele Menschen hier Arbeit finden, wurde den Kindern klar, als sie die vielfältigen Räumlichkeiten des Freizeitbades kennenlernten: Den Außen- und Innenbereich der Saunalandschaft mit den verschiedenen Saunen, Tauchbecken, Kneippgängen und verschiedenen Ruhebereichen, das Freibad, das neue Kursbecken, das Freizeitbad mit seinen Angeboten wie Solebecken, Whirlpool, Babybecken, Hyperthermalbecken, Rutsche und Erlebnisbecken, die Umkleiden, die Gastronomie und den riesigen Technikbereich im Keller. Dieser ist das Herzstück des Freizeitbades und nötig, damit die Menschen oben ihren unbeschwerten Badespaß genießen können. Die Kinder durften mit dem Haustechniker Herrn Christophe Levecque sogar eine Wasserprobe entnehmen und auswerten und so konnten sie nach einem erfrischenden Eis anschließend beruhigt in ein einwandfreies Wasser eintauchen.

Die Klasse 3d vergab dem Team des Freizeitbades am Schluss begeistert Rückmeldung: Sie hoben nicht nur beide Daumen hoch, sondern legten sich teilweise spontan auch noch mit dem Rücken auf den Boden und hielten auch noch die Beine in die Höhe. Also viermal ++++ !

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