Marianne Schulte aus Finnentrop war eigentlich nie ernsthaft krank, als ihr plötzlich im Alter von 85 Jahren von heute auf morgen das Atmen schwerfällt. In der Helios Klinik Attendorn stellen die Kardiologen eine lange Liste schwerer Beeinträchtigungen fest, die alle eine einzige Ursache haben: Das Herz wird nicht mehr richtig durchblutet.

Herz-Ultraschall und eine erste Untersuchung im Herzkatheterlabor geben Aufschluss: Starke Verkalkungen und Verengungen in mehreren Herzkranzarterien, die den wichtigsten Muskel des Körpers – das Herz – mit Blut und Energie versorgen, lösen in Marianne Schultes Körper eine Kaskade verheerender Folgen aus: ein ausgeprägtes Lungenödem, weil die Entwässerung des Körpers aufgrund der Herzschwäche nicht mehr funktioniert, eine daraus resultierende Nierenschwäche und undichte Herzklappen als Folge der Schwächung und Erweiterung der linken Herzkammer und des linken Vorhofes.

Die Schwächung der Herzmuskulatur bedingt, dass das Blut nicht mehr richtig durch den Körper gepumpt wird, was den gesamten Organismus schwächt. Die Lebenserwartung mit einer solchen Erkrankung ist deutlich eingeschränkt. Für eine große Bypass-OP ist es aufgrund des reduzierten Allgemeinzustandes von Frau Schulte bereits zu spät bzw. das OP-Risiko zu hoch. Die beste und einzig mögliche noch verbleibende Therapieoption ist die Behandlung mittels Herzkatheter, bei der die Verengungen im Bereich der Herzkranzgefäße beseitigt werden und sich die Durchblutung des Herzmuskels wieder bessern kann. Diese Situation besprechen die Kardiologen um Chefarzt Dr. Doldi ausführlich mit der Patientin und deren Angehörigen. Marianne Schulte liebt das Leben und willigte in die komplexe Prozedur ein.

Doch das Alter der Patientin und die diversen Folgeerkrankungen der Stenosen bringen Risiken mit sich. „Wir stellten einen Notfallplan auf, um den Eingriff so sicher wie möglich durchführen zu können“, berichtet der behandelnde Oberarzt Farouk Almaeloul. Im OP stehen ein Intensivteam und ein kreislaufunterstützendes System bereit. Die Patientin erhält eine feindosierte Schmerzmedikation, da ihr das lange Liegen auf dem Katheter-Tisch Schwierigkeiten bereitet, zudem war die Nierenschwäche vor dem Eingriff gemildert worden.

Bei vollem Bewusstsein, aber rundum gut versorgt, erlebt Marianne Schulte ihren zweiten Kathetereingriff – diesmal als einzig mögliche Behandlung ihres Herzleidens.

Chefarzt Dr. Doldi und Oberarzt Almaeloul, die als Spezialisten für solche Interventionen die Katheterspitze durch die Armarterie in Marianne Schultes Herz vorschieben, wissen: Die kleinste Komplikation, etwa eine Verletzung eines Herzkranzgefäßes, kann den Eingriff komplizieren. Doch die im Vorfeld entwickelte Strategie geht auf. Alle drei hochgradig verengten Gefäßabschnitte können in nur einer Sitzung aufgedehnt und mit Stents versorgt werden, kleinen Drahtröhrchen, die im Gefäß platziert werden, um es dauerhaft offen zu halten. Geplant waren eigentlich zwei Sitzungen, zur Entlastung des Organismus. Zwei Arterien, deren Verengungen sich an einer Gabelung treffen, erhalten eine komplexe Versorgung mittels Bifurkationsstenting und „Kissing-balloon“, also sich „küssenden Ballons“. Diese Situation stellt einen erhöhten Schwierigkeitsgrad bei der Intervention im Herzkatheterlabor dar, da mehrere Stents ineinandergreifend implantiert und simultan mit zwei Ballons zur Entfaltung gebracht werden müssen.

Doch alles geht gut und die behandelnden Ärzte blicken mit Stolz auf diesen komplexen Fall zurück. Für Marianne Schulte führt anschließend ihr Leben mit einem deutlich gesünderen und leistungsfähigeren Herz – trotz ihrer leichten Demenz ist sie noch sehr rege. „Ich fühle mich auch wieder gut, kann alles machen, was ich vorher konnte“, freut sich Marianne Schulte. Die Nachuntersuchung vier Wochen später ergibt: Alle Stent sind frei, das Herz gut durchblutet und die Mitralklappe schließt wieder, sogar fast so dicht wie bei einem jungen Patienten.  Die Beine sind nicht mehr dick, das Atmen fällt ihr wieder leicht. „Sicherlich wird sie gleich wieder die Wäsche im Garten aufhängen wollen“, weiß Marianne Schultes Sohn Josef aus Erfahrung. Und damit liegt er richtig: „Klar, was ich noch kann, das muss ich doch auch machen“, entgegnet Marianne Schulte energisch.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here