„Frei wählen zwischen Job und Familie?“ So lautet der Vortrag der Genderforscherin Dr. Bärbel Röben am Mittwoch, 28. Februar 2018, um 19 Uhr im Rathaus der Hansestadt Attendorn.

In der Familie leisten Frauen 150 Prozent, im Job verdienen sie 21 Prozent weniger und bekommen im Alter nur halb so viel Rente wie Männer. „Grund genug, wenige Tage vor dem Weltfrauentag, der alljährlich am 8. März stattfindet, diese ernüchternden Ergebnisse des Gleichstellungsberichts einmal genauer unter die Lupe zu nehmen“, so Attendorns Gleichstellungsbeauftragte Marion Terschlüsen, die zusammen mit dem Agenda-Forum der Hansestadt Attendorn zu dieser Vortragsveranstaltung am Mittwoch, 28. Februar, um 19 Uhr ins Rathaus einlädt.

Unter dem Titel „Frei wählen zwischen Job und Familie?“ präsentiert die Genderforscherin Dr. Bärbel Röben aus Attendorn die Ergebnisse des im Jahr 2017 von der Bundesregierung vorgelegten Gleichstellungsberichtes. Eine Sachverständigenkommission hatte untersucht, wie Männer und Frauen während ihres Lebens untereinander Erwerbs- und Sorgearbeit aufteilen und zu welchen Zeitpunkten darüber wichtige Entscheidungen fallen, etwa bei Geburt eines Kindes oder wenn jemand aus der Familie zum Pflegefall wird.

Die Leitidee lautet: „Gleichstellungspolitik ist keine Interessenpolitik für jeweils spezifische Belange von Frauen oder Männern. Es geht um die Verwirklichungschancen aller Menschen – unabhängig vom Geschlecht – und dabei auch um die Wertschätzung verschiedener Lebensentwürfe und Lebensleistungen.“

Bei der Verwirklichung dieser Wahlchancen hapert es jedoch. Das gab auch Bundesfrauenministerin Katharina Barley zu. Seit dem ersten Gleichstellungsbericht im Jahr 2011 sei zwar einiges passiert: Elterngeld werde immer mehr auch von Männern in Anspruch genommen. Und der Mindestlohn habe vor allem zu einer besseren Bezahlung von Frauen geführt. Doch „Frauen verdienen immer noch weniger als Männer, in den Berufen, die sie wählen“, so Barley. Dies betreffe vor allem soziale Berufe: „Ich habe das noch nie verstanden, warum jemand, dem ich mein Kind oder meinen pflegebedürftigen Angehörigen anvertraue, so viel weniger verdient als jemand, dem ich mein Auto oder meine Waschmaschine anvertraue.“

Da Frauen deutlich mehr Zeit für unbezahlte Tätigkeiten im Haushalt und für die Familie aufwenden als Männer oder häufiger in einem sozialen Beruf arbeiten, verdienen sie im Laufe ihres Lebens auch weniger Geld. Dafür bekommen sie dann eine geringe Rente, die kaum ausreicht, um über die Runden zu kommen. Im Jahr 2015 erhielten Frauen um 53 Prozent niedrigere Renten als Männer: in Westdeutschland durchschnittlich 583 Euro, in Ostdeutschland 860 Euro pro Monat.

Damit Männer und Frauen nach Wunsch ohne große Einkommenseinbußen private Sorgearbeit leisten können, empfiehlt die Kommission beispielsweise Arbeitszeitmodelle wie Teilzeitarbeit mit Rückkehrrecht auf eine volle Stelle oder Home-Office. Das könnte allen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ermöglichen, flexibel auf eine veränderte Lebenssituation zu reagieren. Außerdem müssten Erziehungs- und Pflegezeiten bei der Rente besser anerkannt werden. Das  Steuerrecht solle reformiert werden, um Anreize für eine Reduzierung der Erwerbsarbeit und Minijobs zu beseitigen. Eine in sich stimmige Gleichstellungspolitik unterstütze Männer und Frauen bei einer partnerschaftlichen Gestaltung ihres Alltags.

Nach der Vorstellung der Berichtsergebnisse, Handlungsempfehlungen und Stellungnahmen bleibt am 28. Februar noch Zeit für Diskussionen. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr im Sitzungsraum II. (Raum 103) im Attendorner Rathaus. Einlass ist um 18.30 Uhr. Die Besucherinnen und Besucher werden gebeten, den Eingang „Klosterplatz“ zu nehmen. Der Eintritt für die Veranstaltung ist frei.

Für weitere Informationen steht die Gleichstellungsbeauftragte der Hansestadt Attendorn Marion Terschlüsen gerne zur Verfügung, Tel. 02722/64-237, E-Mail m.terschluesen@attendorn.org.

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