Wie näht man Wunden? Wie operiert man im Bauchraum, ohne ihn zu öffnen? Jugendliche zwischen 16 und 17 lernten im Operationssaal der Helios Klinik Attendorn Medizin ganz hautnah kennen – einige wissen heute schon, dass sie selbst in die Medizin gehen möchten.

Zum 10. Mal fand das große Schülerpraktikum im Rahmen ihres „MINT-Projektes 2017“ statt, das Schülerinnen und Schülern der 10. Klasse des Attendorner St. Ursula-Gymnasiums drei Tage lang praktische Einblicke in medizinisch-technische Berufe bietet. Am Krankenhaus waren diverse Fachbereiche für die Schüler erlebbar, von der Hygiene über das Röntgen bis hin zur Orthopädie, Kardiologie und andere.

Die 14 Teilnehmer des Moduls „Chirurgie“ zeigten sich sehr interessiert an der Arbeit im Krankenhaus. Sie übten unter anderem das Operieren am Laparoskopie-Simulator und das Nähen kleiner Wunden an Zitronen.

„Wir konnten mit richtigem Operationsbesteck umgehen, mit echten Fäden nähen. Das hat richtig Spaß gemacht“, berichtet Malion Belegu, der später einmal Arzt werden möchte. Dr. med. Klaus Friedhoff, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie, hatte den Jugendlichen eine kleine Einführung gegeben, legte jedoch das Hauptaugenmerk an diesem Tag auf das praktische Ausprobieren. Allein das Anziehen der OP-Handschuhe und das Umkleiden in sterile OP-Kleidung zeigte, wie aufwändig moderne Medizin allein schon unter hygienischen Aspekten ist. Als es dann an die technischen Geräte ging, fühlten sich einige richtig in ihrem Element. Marius Fiebig zum Beispiel weiß schon lange, dass er Medizin studieren möchte, ebenso wie Elisa Hoffmann, die klar vor Augen hat, wie sie dieses Ziel erreichen kann: „Ich möchte zur Bundeswehr gehen und darüber Medizin studieren, das steht für mich fest.“

„Gefäßchirurgie beschäftigt sich hauptsächlich mit Erkrankungen der Blutgefäße – aber wie entstehen diese eigentlich?“ fragte Chefarzt Harald Führer zu Beginn seines Vortrags am zweiten Tag die jugendlichen Teilnehmer. Schon schossen Führer die Antworten förmlich entgegen. „Bluthochdruck, Rauchen, Bewegungsmangel“, wussten die Schüler. Hier zeigte sich, dass junge Menschen am Tisch saßen, die sich interessierten und auch schon Vorwissen hatten. „Stimmt genau!“, antwortet Harald Führer. „Meine Patienten sind leider oft nicht so gut informiert wie ihr. Aber die geduldige Information und Aufklärung im Gespräch mit dem Patienten gehört auch zu den Aufgaben eines Gefäßchirurgen.“

Wir freuen uns, wenn wir den Schülern spannende Einblicke ins Berufsleben vermitteln können, erläutert Ingrid Sangermann das Ziel des jährlichen Praktikums. Sie und ihre Kolleginnen stellen jedes Jahr in Kooperation mit vier Attendorner Betrieben sowie der Technischen Universität Aachen ein umfassendes Programm für die Schüler zusammen. „Wir wollen ihnen zeigen, wofür sie sich interessieren könnten, für was sich das ganze Lernen später mal lohnt. Viele kennen nur die Berufe ihrer Eltern und den Beruf des Lehrers.“ Dass bald der Numerus Clausus abgeschafft wird, hofft nicht nur Frau Sangermann, sondern auch Dr. Kemmerling, der Ärztliche Direktor der Klinik. „Wir hoffen, dass demnächst mehr junge Menschen zum Medizinstudium zugelassen werden. Vielleicht sehen wir die zukünftigen Kollegen dann ja eines Tages hier bei uns im Haus wieder – ich würde mich freuen!“

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