Eine Magen-Darm-Grippe ist unangenehm, aber nach ein paar Tagen vorbei. Doch bei anhaltenden Darmbeschwerden leiden Körper und Seele, die Betroffenen ziehen sich zurück. Ursache für die Krämpfe und Durchfälle kann eine entzündliche Darmerkrankung sein, wie Chefarzt Dr. med. Martin Vielhauer bei seinem Vortrag am 26. April, 16 Uhr in der HELIOS Klinik Attendorn erklärt.

Das kennen viele Menschen: Übelkeit ohne erkennbaren Grund, meist in Kombination mit Bauchweh und wechselnden Verdauungsbeschwerden. Ausgelöst wird dies häufig durch Entzündungen des Darms. Wie diese entstehen, das weiß Dr. med. Martin Vielhauer. Der Chefarzt der Klinik für Innere Medizin der HELIOS Klinik Attendorn ist Gastroenterologe und damit auf Darmkrankheiten spezialisiert. Im Gespräch erklärt er, woran Darmentzündungen erkennbar sind, welche Behandlungen helfen und warum Medikamente nicht immer die beste Medizin sind.

Herr Dr. Vielhauer, in der kühlen Jahreszeit kämpfen viele Menschen mit Magen-Darm-Problemen. Woran liegt das?

Wenn es kalt ist, machen verschiedene Viren gerne die Runde. Sie sind hauptsächlicher Verursacher einer akuten Magen-Darm-Infektion, die oft von Brechreiz, Durchfall und Fieber begleitet wird. In der Regel dauert die Infektion aber nur wenige Tage und bleibt meist folgenlos.

Was hilft gegen einen solchen Magen-Darm-Infekt?

Auch wenn es für den Betroffenen unangenehm ist, aber das Erbrechen und der Durchfall sind für den Körper wichtige Möglichkeiten, die Erreger schnell wieder loszuwerden. Daher sollte man auch versuchen, den Infekt möglichst ohne unterdrückende Medikamente zu überstehen. Viel trinken und nur leichte Mahlzeiten zu sich nehmen, das hilft in den meisten Fällen.

Was macht derjenige, der häufiger oder über einen längeren Zeitraum an Magenkrämpfen und starkem Durchfall leidet?

Der sollte unbedingt zum Arzt gehen. Denn dabei kann es sich um eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung handeln.

Was genau ist das?

Was wir wissen ist, dass chronische Darmentzündungen eine Autoimmunkrankheit sind. Das heißt, das Immunsystem richtet sich gegen den eigenen Körper und ruft im Darm eine dauerhafte Entzündung hervor. Worin genau die Ursachen liegen, ist bis heute allerdings unklar. Da die Krankheiten oft gehäuft familiär auftreten, vermuten Mediziner eine genetische Veranlagung. Daneben begünstigen aber auch Umweltfaktoren wie Rauchen die Erkrankungen.

Was sind die häufigsten chronischen Darmerkrankungen?

Das sind die Colitis Ulcerosa und der Morbus Crohn. Sie treten meist bereits im Jugendalter zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr auf und verlaufen schubweise. Die Colitis Ulcerosa betrifft ausschließlich den Dickdarm. Bei einem Morbus Crohn hingegen kann der gesamte Verdauungstrakt betroffen sein. Die Symptome der beiden Erkrankungen ähneln sich im Kern. Betroffene leiden an lang anhaltenden Durchfällen und krampfartigen Schmerzen im Bauch, sie fühlen sich oft schlapp und müde und verlieren an Gewicht. Beim Morbus Crohn treten häufig auch Gelenkentzündungen auf.

Wie kann das behandelt werden?

Leider sind die Erkrankungen heute noch nicht heilbar. Wir können aber mit verschiedenen Medikamenten die akuten Entzündungen unterdrücken, die Schübe hinauszögern und die beschwerdefreien Phasen verlängern. Doch auch wenn die Betroffenen regelmäßig Medikamente nehmen müssen und engmaschig fachmedizinisch betreut werden, sind entzündliche Darmerkrankungen gut kontrollierbar. Die Patienten können ein nahezu normales Leben führen, auch wenn sie Stress und Rauchen meiden sollten, da das die Erkrankung verschlimmern kann.

Zum Thema Darmentzündungen findet am Mittwoch, 26. April 2017, ein Vortrag an der HELIOS Klinik Attendorn statt. Die Veranstaltung ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht notwendig.

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