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Wieder 45 Prozent Lungenvolumen hat Patient Gülahmad Sultanachmadov nach der OP, hier im Gespräch mit seinem Operateur Oberarzt Dr. med. Bassam Redwan bei der Nachuntersuchung in Wuppertal.

Der innovative  Einsatz einer „künstlichen Lunge“ (ECMO) mit einer Twin-Port-Kanüle half dem Attendorner Gülahmad Sultanachmadov, als seine Lunge operiert werden musste. Das Verfahren ist im Rahmen einer solchen Operation in dieser Form weltweit zum ersten Mal dokumentiert.

Kaum noch atmen konnte Gülahmad Sultanachmadov, als er sich in der HELIOS Klinik Attendorn bei Dr. med. Michael Arattukulam vorstellte. Die Lunge war durch die chronische Erkrankung COPD so stark geschädigt, dass es zu einem extremen Lungenemphysem mit Ausbildung von riesigen Luftblasen („Giant bulla“) gekommen war. Bei dieser Erkrankung blähen sich die kranken Lungenbläschen auf, so dass die verbrauchte Luft nicht mehr ausgeatmet werden kann. Viele Bläschen gehen ganz zugrunde und es entstehen im Extremfall große Areale, die gar nicht mehr arbeiten und die Lunge überdehnen. Diese war bei Herr Sultanachmadov schon so groß, dass das Herz und auch das Zwerchfell, der wichtigste Atemmuskel, verschoben wurden. Eine Operation war unumgänglich und der Patient wurde ans „Bergische Lungenzentrum“ des HELIOS Universitätsklinikums Wuppertal empfohlen.

Wird ein Mensch an der Lunge operiert, muss er künstlich beatmet werden. Während der Operation arbeitet dann nur ein Lungenflügel, damit am anderen operiert werden kann. Aber was tun, wenn die Lunge selbst krank ist und daher die Beatmung über eine Seite nicht ausreicht?

Am Wuppertaler Lungenzentrum hat Oberarzt Dr. med. Bassam Redwan spezielle Erfahrung mit dem sogenannten ECMO-Verfahren. Bei einer Lungenoperation bei schwer eingeschränkter Lungenfunktion des Patienten kann das Lungenersatzverfahren eingesetzt werden, um den Gasaustausch, also Sauerstoffanreicherung und CO2-Entfernung komplett oder teilweise zu ersetzen. Es ist vergleichbar mit der sogenannte Herz-Lungen-Maschine während einer Herz-Operation. Die Technik wird zwar häufig bei Neugeborenen mit noch unreifen Lungen eingesetzt, kommt aber bei Erwachsenen nur als letztes Mittel bei großen Operationen oder Patienten mit eingeschränkter Lungenfunktion zum Tragen.

Innovative Kombination mit der Doppelkanüle
Beim ECMO-Verfahren wird das Blut normalerweise aus einer Vene entnommen und an einer anderen Körperstelle wieder zugeführt. Die Thoraxchirurgen entschieden gemeinsam mit den Intensivmedizinern im vorliegenden Fall, die ECMO mit einer Doppelkanüle zu kombinieren, die das Blut sowohl entnehmen als auch in den Körper zurückführen kann – und dafür nur eine Einstichstelle benötigt.

Da bei Herrn Sultanachmadov die Sauerstoffaufnahme im anderen Lungenflügel noch einigermaßen funktionierte, musste hauptsächlich die CO2-Entfernung durch die Maschine erfolgen. Daher wagte man den Einsatz der Twin-Port-Kanüle.

„Wir haben uns für den Einsatz der neuen Kanüle entschieden, um damit den Patienten zu schonen. Und es hat geklappt“, freut sich Dr. Redwan, der seinem Patienten mit der Operation 30 Prozent mehr Lungenfunktion geschenkt hat. „Herr Sultanachmadov hat vorher jeden Tag stundenlang Sauerstoff gebraucht. Das ist jetzt nicht mehr nötig, sein Lebensqualität hat sich enorm verbessert“, so Dr. Redwan.

Für ihn und seine Kollegen ist es immer wieder eine große Herausforderung, die schonendste Kombination der OP-Technik auszuklügeln. „Wir freuen uns immer, wenn es uns gelingt, das Beste aus unseren Möglichkeiten für den Patienten herauszuholen“, so Privat-Dozent Dr. Servet Bölükbas, Chefarzt der Klinik für Thoraxchirurgie am Bergischen Lungenzentrum. „Wir können so unsere Expertise weiter ausbauen und damit vielen Lungenpatienten eine schonendere Operation ermöglichen.“

Das kommt auch den Patienten der kooperierenden Häuser wie Attendorn zugute. „Wir arbeiten sehr eng mit den Thoraxchirurgen in Wuppertal zusammen und können somit eine umfassende Hilfe bei allen Lungenerkrankungen anbieten“, so Dr. med. Martin Vielhauer, Chefarzt der Inneren Medizin an der HELIOS Klinik Attendorn.

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