Bibliotheken in Nordrhein-Westfalen befinden sich notgedrungen im Wandel. Grund dafür ist das Wegbleiben der jüngeren Generation – mangelndes Interesse, Schulstress und veraltete Konzepte sorgen dafür, dass die Bibliotheksbesucher von morgen zu selten Bücher ausleihen. Damit stehen die 260 öffentlichen sowie auch die 1208 kirchlichen Bibliotheken in NRW zunehmend vor einer Existenzkrise. Denn, wenn die Besucher wegbleiben, wird es schwieriger, die Ausgaben für öffentliche Bibliotheken zu rechtfertigen.

Immer mehr Bibliotheken versuchen daher, für Jugendliche attraktiver zu werden, und wenden sich zunehmend den neuen Medien zu – dazu gehören Audiobücher, Musik, Virtuelle Realität und auch Videospiele. Die Kölner Zentralbibliothek bietet seit neuestem beispielsweise die Nutzung eines eigenen Tonstudios an, dass überwiegend von Jugendlichen genutzt wird. Aachen und Münster haben eigene Jugendbibliotheken eingerichtet, die speziell für jüngere Besucher ausgelegt sind. Ähnliche Entwicklungen finden sich auch im Rest Deutschlands.

Medienzentren statt Bücherverleihe

Bibliotheken entwickeln sich allmählich zu Medienzentren und einem Treffpunkt für Jugendliche, die Medien erkunden, ausprobieren oder ausleihen wollen. Einen besonderen Platz nimmt dabei das Gaming ein: Grund dafür ist das hohe Interesse an Videospielen, das sich laut einer BIU-Studie allerdings durch alle Altersschichten erstreckt. Zwar gehören Jugendliche immer noch zu der größten Spielergruppe, doch auch die älteren Generationen holen stetig auf. Deutschlandweit spielen mehr als 34 Millionen Menschen regelmäßig – der Durchschnittsgamer ist mittlerweile 35 Jahre alt. Gespielt werden hauptsächlich Onlinespiele auf dem PC – ganz einfach gratis über den Browser. Aber auch Videospiele für das Smartphone oder für Virtual-Reality-Brillen werden immer beliebter und damit für Bibliotheken zu einer echten Chance, neue Besucher anzulocken. Darüber hinaus bilden diese Spiele eine Brücke, die Jung und Alt miteinander verbinden könnte.

Platz für Kreativität

In modernen Bibliothekskonzepten werden Videospiele für sogenannte Makerspaces eingesetzt. Damit sind in erster Linie Bereiche oder Workshops gemeint, die zur Förderung der Kreativität genutzt werden. Dort können Besucher ihre kreative Ader beispielsweise in Videospielen wie Minecraft ausleben oder mediale Inhalte mithilfe von Kameras oder Tonstudios selbst produzieren.

Die Kölner Zentralbibliothek gilt in diesem Zusammenhang als Vorreiter. Sie gehört zu den modernsten Bibliotheken Deutschlands und ist unterteilt in verschiedene „Welten“, in denen es zum Beispiel um Wissenschaft, aktuelle Literatur und Fachbücher geht, aber auch Videospiele, Virtual-Reality-Brillen oder 3D-Drucker ausprobiert werden können. Dadurch wird ein Mix aus klassischer und innovativer Bibliothek geschaffen und angeboten, der die Zukunft dieser Institution sicherstellen soll.

Bildrechte: Flickr Stadtbücherei Grevenbroich – 14_11_17_17 Fachstellen für Öffentliche Bibliotheken NRW CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

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