Das Vereinsheim des SV 04 Attendorn wurde am Montagabend zur Lesestube. Wo normalerweise die Spieler, Verantwortlichen und Anhänger von Null-Vier zu Hause sind, stand an diesem Abend ein prominenter Buchautor im Mittelpunkt. Natürlich ein Fußballer. Um genau zu sein, ein ehemaliger Fußballer. Auf Einladung von „KulturA“ las Ex-Profi Moritz Volz aus seinem 2012 erschienenen Buch „Unser Mann in London“.

Für den 33-Jährigen war Attendorn bisher fußballerisches und literarisches Neuland. Den Fußball gespielt hat der gebürtige Siegener im nur wenige Meter neben dem Vereinsheim liegenden Hansastadion nie. Auch als Buchautor war der gelernte Verteidiger noch nicht in der Hansestadt. „Ich war im Spielertunnel von Old Trafford nicht so nervös wie heute Abend“, gab der sympathische Wahl-Münchner zu, der mit 16 Jahren aus der Siegerländer Provinz zum Welt-Klub Arsenal in die Welt-Stadt London wechselte. Old Trafford ist die Heimat von Manchester United, einem anderen englischen Kultverein.

Der Aufschrei war damals in Deutschland riesengroß. So schimpfte der Jugendleiter des FC Schalke 04 über das scheinbar „unmoralische Angebot“. Schalke war nach der SpVg Bürbach 09 und den Sportfreunden Siegen die dritte Volz-Station in jungen Jahren. Der Wechsel vor 17 Jahren beschäftigte auch die Medien, die nicht immer fair mit dem Jungen aus dem Siegerland umgingen. „Das ist Kinderhandel“ empörte sich ein bundesweit erscheinendes Magazin.

Immerhin war Moritz Volz mit seinen 16 Jahren der erste deutsche Nachwuchsfußballer, der in die englische Premier League wechselte. „Ich wurde in England einfach erwachsen und bin ein Londoner geworden“, fasste Volz im SV 04-Vereinsheim die elf Jahre in England mit den Fußballstationen FC Arsenal, FC Wimbledon, FC Fulham und Ipswich Town zusammen.
Bevor Moritz Volz einige Kapitel aus seinem mit vielen Anekdoten über Land und Leute gespickten Buch las, begrüßte „KulturA“-Vorsitzende Isabell Hoffmann die zahlreichen Gäste. Augenzwinkernd wunderte sich die Buchhändlerin, die mit Fußball sonst „nichts am Hut hat“, dass für eine Kulturveranstaltung „relativ wenig Frauen“ anwesend seien. Dann verriet Hoffmann noch mit einem Schmunzeln, dass sie ganz froh sei, „die Abseitsregelung nicht erklären zu müssen“.

Dafür hatte sie ja zwei Profis an ihrer Seite: zum einen Moritz Volz und zum anderen Tom Kleine. Der bekennende Anhänger des englischen Fußballs und eingefleischte Fan von Birmingham City hatte „zwei Jahre versucht“, mit dem Ex-Profi Kontakt aufzunehmen. „Isabell hat es zwei Minuten versucht und es hat sofort geklappt“, lachte der Pressesprecher der Stadt Attendorn.

Kleine eröffnete den „literarisch-fußballerischen Doppelpass“ mit seinem prominenten Gast und freute sich über „eine Stimmung wie in der 11-Freunde-Bar in Essen“. Das Buch von Moritz Volz über seine zum Teil skurrilen Erlebnisse und Erfahrungen in England verglich der Attendorner, der wie der Siegerländer „in Land und Leute verliebt ist“, mit dem Bestseller „Fever Pitch“ von Nick Hornby.

Die Bewirtung übernahm vor, in und nach der Halbzeitpause der SV 04 Attendorn. „Hier gibt es die besten Bratwürste der Liga“, hatte Tom Kleine bei seiner Begrüßung nicht zu viel versprochen.
Moritz Volz hat im Mutterland des Fußballs nicht nur sportliche Spuren hinterlassen. Der gebürtige Siegener schrieb in der renommierten „Times“ eine regelmäßige Kolumne. Nach einem Interview in der „Zeit“ wurde der Rowohlt-Verlag auf den literarisch begabten Fußballer aufmerksam. Aber der richtige Zeitpunkt für ein Buchprojekt war noch nicht gekommen. „Mit Profis muss man generell Geduld haben“, bat Volz um Verständnis für seine Zunft. Nach der sportlichen Rückkehr 2010 nach Deutschland und einem Beinbruch 2011 hatte der ehemalige England-Kicker dann mehr Zeit, als ihm lieb war. Herausgekommen ist das mit einer feinen Prise Ironie und einem genauen Blick für das Skurrile sowie viel Liebe für Land und Leute geschriebene Buch „Unser Mann in London“.

Seine Nervosität hatte der Mann, der beim 2:2 am 30.12.2006 gegen den FC Chelsea das 15.000 Tor in der Geschichte der Premier League schoss, am Montagabend spätestens in der zweiten Halbzeit abgelegt.

von Martin Droste (Text und Fotos)


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