Georg Zeppenfeld wird als Solist in der Aufführung der „Missa Solemnis“ im Hohen Dom zu Paderborn am 20. November 2015 singen. Foto: Matthias Creutziger
Georg Zeppenfeld wird als Solist in der Aufführung der „Missa Solemnis“ im Hohen Dom zu Paderborn am 20. November 2015 singen.
Foto: Matthias Creutziger

Die Stimme von Georg Zeppenfeld, der in Attendorn geboren wurde, wird am kommenden Freitag bei einem bedeutsamen Kulturereignis im Hohen Dom zu Paderborn zu bewundern sein: Bei der Aufführung von Ludwig van Beethovens „Missa Solemnis“ wird er als Solist mitwirken. Im Interview spricht er über seinen Werdegang und das Besondere der „Missa Solemnis“.

Herr Zeppenfeld, herzlichen Glückwünsch zu Ihrer Ernennung zum Kammersänger. Ist damit auch Ihr beruflicher Lebenstraum in Erfüllung gegangen?

Nein, das kann ich so nicht sagen. Mein beruflicher Traum handelte immer davon, mit interessanten Menschen an schönen Orten zu musizieren und zwar so, dass das Publikum von der Musik berührt wird. Dazu braucht man keinen Kammersängertitel. Dass mir nach 15 Jahren Zugehörigkeit zur Dresdener Semperoper diese Ehrung zuteil geworden ist, freut mich aber dennoch riesig. Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet.

Wann ist bei Ihnen der Wunsch gereift, die musikalischen Talente in den beruflichen Werdegang umzusetzen?

Ich hatte das Glück, in der Schule Musiklehrern zu begegnen, die mir als Pädagogen und als ausübende Musiker die Freude an der Musik und das Nachdenken über sie nahegebracht haben. Da lag es dann nahe, ebenfalls Musiklehrer werden zu wollen. Erst im Studium habe ich entdeckt, dass ich mit der Stimme ein vielleicht besserer Anwalt der Musik sein kann.

Sie sind gebürtig aus Attendorn und damit dem Erzbistum Paderborn verbunden. Haben Chormusik und vielleicht sogar Kirchenmusik für Sie früh eine Rolle gespielt?

Als 16-Jähriger bin ich begeistertes Mitglied des Männerchores meiner Heimatgemeinde geworden und habe später auch in einem gemischten Chor gesungen. Das war für meine Berufswahl sicher mit entscheidend, denn hier habe ich zuerst erlebt, wie beglückend es ist, mit anderen zu singen. Die Kirchenmusik im Sinne von Oratorienkonzerten habe ich erst an meinem Studienort Detmold genauer erkundet, denn Lippe ist eine überwiegend evangelische Landschaft, in der die Kirchenmusik traditionell einen höheren Stellenwert hat, als in unserem katholischen Bistum.

Sie sind an großen Opernhäusern zuhause. München, Berlin, Hamburg, Dresden, Wien, Mailand, Paris, Barcelona, Lyon, Antwerpen, Bayreuther Festspiele sowie an der Lyric Opera of Chicago, an der Metropolitan Opera New York und in San Francisco, um nur einige zu nennen. Ihr Weg führt Sie nun ins ostwestfälische Paderborn. Was bedeutet für Sie ein Konzert in der Atmosphäre des Hohen Doms?

Ich habe immer gern Konzerte gesungen und vergesse nie, dass die Kirche die Wiege der abendländischen Kunstmusik ist. In einem so bedeutenden Sakralbau wie dem Paderborner Dom Musik zu machen, heißt also quasi, sie nach Hause zu bringen. Das ist besonders reizvoll bei großen Kompositionen wie der „Missa Solemnis“, die den Rahmen der Liturgie ja ganz einfach aufgrund ihrer Dimensionen sprengt und deshalb sehr oft im Konzertsaal aufgeführt wird.

Ludwig van Beethoven ist ein außergewöhnlicher Komponist. Was zeichnet ihn aus? Was fasziniert Sie selbst an seiner Musik?

Bei Ludwig van Beethoven treffen verschiedene Parameter des Komponierens in besonders hoch entwickelter Form aufeinander: etwa die thematische Arbeit, die Instrumentationskunst, der er mit der Verdopplung des Holzbläsersatzes neue Möglichkeiten geschaffen hat, und sein offenbar von höchster Energie getriebener Ausdruckswille, der vor Zumutungen für die ausübenden Musiker nicht zurückschreckt. Für mich als Sänger ist immer wieder faszinierend, wie sich die Ausdruckswirkung der musikalischen Substanz gerade dann einstellt, wenn es den Ausführenden gelingt, die Herausforderung der oft ganz und gar unsanglichen Gesangspartien zu meistern. Je nüchterner man singt, was dasteht, desto grandioser wird bei Beethoven oft die Wirkung.

Die „Missa Solemnis“ gehört zu den wichtigsten Werken von Beethoven. Sind Sie als Solist bereits mit der „Missa Solemnis“ aufgetreten? Könnten Sie den Eindruck des „besonderen Werkes“ bestätigen? Wo liegt die Herausforderung? Was ist das Beeindruckende des Werkes? Würden Sie mit der Einschätzung von Beethoven zum Werk einstimmen „Von Herzen möge es wieder zu Herzen gehen“?

Die Missa habe ich bereits oft gesungen und sie gehört zu den Stücken, die einen immer wieder mit Details überraschen, die man noch nicht wahrgenommen hatte. Sie ist ein stellenweise sperriges Werk, weil in ihr Passagen von beinahe gewaltsamer Vehemenz auf andere Treffen, die von schier überirdischer Schönheit und Zartheit sind, wie etwa das Benedictus mit seiner überwältigenden schlicht-schönen Einleitung. Das gibt es in anderen Werken nach meiner Kenntnis nicht.

Welches Attribut schreiben Sie der Kirchenmusik zu? Könnten Sie sich mit dem Satz „Kirchenmusik hat eine missionarische Kraft“ anfreunden?

Kirchenmusik nutzt, ähnlich wie die Dichtkunst, andere Wege, um ihrer Botschaft Zugang zum Menschen zu verschaffen, als der pure Logos. Sie spricht andere Bewusstseinsschichten des Menschen an, ihre Sprachqualitäten liegen im Ungefähren, nicht klar Definierten. Daher ist sie eine wichtige Ergänzung zum geistlichen Wort und hier liegt auch ihre „missionarische Kraft“. Die Kirche hat das früh erkannt und sich Musik nutzbar gemacht.

Worauf darf sich das Publikum bei der „Missa Solemnis“ am Freitag freuen?

Wie ich hoffe, auf eine stimmungsvolle „zu Herzen gehende“ Aufführung!

Vielen Dank für das Interview

Das Interview führte Ronald Pfaff

 


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