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Einladend lockt das Restaurant im alten Stellwerk des Treffpunktes Alter Bahnhof Hützemert.

Zum Wochenende hin, jetzt, wo der Herbst kommt, kann man ruhig einmal eine sentimentale Geschichte erzählen. Die drei Sparkassen im Kreis Olpe laden alljährlich die heimischen Pressevertreter zu einem gemütlichen Abend ein, und am Freitag war es wieder einmal so weit. Diesmal richtete die Sparkasse Olpe-Drolshagen-Wenden das Fest aus, und es war ein schöner Abend in einem ganz wundervollen Ambiente.

Wenn man in Attendorn seit Monaten verzweifelt darum bemüht ist, den alten Bahnhof zu erhalten, dann gibt es einen wehmütigen Stich im Gemüt beim Anblick des prächtigen Gebäudes in Hützemert.

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Parallel zur kleinen Feier im Restaurant mit dem umwerfenden Aktionskoch Mâitre Stephan Hammes gab es ein Konzert im angrenzenden Saal.

Als wir in der frühen Dunkelheit eintrafen, strahlte die verschieferte Fassade im raffinierten Licht der Strahler, die Fenster adrett mit kunstvollen Rahmen, und im Nebenraum, dem alten Lagerschuppen, saßen 40, 50 Zuhörer und lauschten einem Gitarrenkonzert italienischen Einschlags.

Hinter dem Haus eine antike Dampfdruckkessel-Rangierlok mit angehängtem offenem Wagen, auf dem eine Terrasse mit Sitzgelegenheiten aufgebaut ist, dazu das warme Licht aus den Sprossenfenstern des Stellwerks, hinter dem sich ein nettes Restaurant befindet. Im Hintergrund arbeitet die Spätschicht der Firma Heinrich Huhn bei offenen Toren.

„Huhn veranstaltet hier bei uns inzwischen Sitzungen und Fortbildungen, weil wir es so schön praktisch und gemütlich haben“, erklärt es Sascha Koch vom Bahnhof Hützemert, „außerdem ist der Laden bei schönem Wetter immer gut besucht, weil kaum ein Radfahrer hier einfach durchfährt.“

Als die Stadt Drolshagen die alte Bahntrasse für den Radweg ins Oberbergische ankaufte, musste sie auch den Bahnhof dazu übernehmen. Die Dorfgemeinschaft witterte die ungeheure Chance, endlich ein Dorfgemeinschaftshaus zu verwirklichen. In 7000 Stunden des Ehrenamts stemmte das 1800-Seelen-Dorf den wundervollen Erhalt des Gebäudes aus der Kaiserzeit. Im Obergeschoss tagen und proben heute die Vereine des Ortes, die Noten und Instrumente sind sicher verwahrt, dazu das Archiv der Eisenbahnfreunde aus Dieringhausen. Unten derweil zieht ein verführerischer Duft aus der Küche; wir speisen im gemütlichen Raum, alle zusammen, und von den Wänden grüßen die alten Fahrpläne aus den Sechzigern, während oben auf dem Schrank hinter dem Tresen eine große Dampflok aus Holz die Blicke auf sich zieht.

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Mit großem Sachverstand und viel Liebe zum Detail haben die Hützemerter ihr Schmuckstück erhalten. Eine ganz ähnliche Treppe gibt es auch im alten Attendorner Bahnhof.

Die Hützemerter haben es geschafft. Gemeinsam. Und alle sind stolz darauf und können es auch wirklich sein! Was für ein Manifest der bürgerlichen Kraft und des bürgerlichen Willens, welcher Ort der Zusammenkunft und der Gemeinschaft!

Freigelegt die alten Backsteinwände, stolz das kunstvoll gearbeitete Treppenhaus, dann der Applaus aus dem Nebensaal; das Konzert ist vorbei.

Die kriegen so was hin. Ein Dörfchen im Dräulzer Land kriegt das hin. Und auch die heimischen Banken haben das finanziert, obwohl es keine Sicherheiten gab. „Wir haben das der Dorfgemeinschaft eben zugetraut, und man kann ja auch sehen, was dabei heraus gekommen ist“, wie es Sparkassendirektor Dieter Kohlmeier in der großen Runde auf der Sonnenterrasse formuliert.

Schade, dass dergleichen scheinbar nicht überall möglich ist.

http://treffpunkt-alter-bahnhof.chayns.net/

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