Eine Stellungnahme zur Diskussion um die Weiterverwendung der Post und des Alten Bahnhofes von Achim Gandras, Mitglied des Vorstands des Orts- und Heimatvereins Attendorn e.V.:

Bürgermeister Pospischil hat erkannt, dass sich sehr viele Attendorner für den Erhalt des alten Bahnhofs einsetzen. Das hat er am Nachmittag veröffentlicht. Es sei aber auch viel Porzellan zerschlagen worden und es sei höchste Zeit, die Diskussion wieder zu versachlichen. Außerdem sei Augenmaß und Verantwortungsgefühl für die gesamte Stadtentwicklung gefragt.

Die drei Vereine, die sich mit extrem viel Energie für den Erhalt des Bahnhofes einsetzen, haben jedoch kein Porzellan zerschlagen. Artig sind die Vorstände ins Rathaus gegangen, um sich kompromissbereit unter Zeitdruck an den Tisch zu setzen.

Der Bürgermeister spricht nun von den großen Summen, die riskiert würden. 3,5 Mio beim alten Entwurf, 2 Mio für den neuen.

Was dabei nie gesagt wird: Es ist nicht das Geld der Stadt. Die Vereine haben ein neues Konzept vorgelegt mit 600 Positionen, mit Handwerker-Kostenvoranschlägen nach durchweg positiver Machbarkeits-Besichtigung vor Ort. Ein Finanzdienstleister hat alles über den Daumen durchgerechnet. Ergebnis: Selbst bei einer kompletten Finanzierung aller Leistungen ohne eine einzige Spende gestalten die zu erwartenden Mieteinnahmen im Bahnhof ein voll tragfähiges Konzept.

Da hat die Stadt aber noch keinen Cent beigesteuert!

Wir reden von der Kulturarbeit dreier Vereine mit Veranstaltungen, mit Probemöglichkeiten für Chöre und Orchester, mit Kabarett- und Konzertveranstaltungen, mit Lesungen und der Möglichkeit für jedermann, eine eigene Kulturveranstaltung auch mit kleinsten Mitteln im Saal zu verwirklichen. Denn die Mieten der Wohnungen, Büros und Restauranträume werden das Haus tragen, nicht der Saal!

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Was also steht im Raum?

20.000 Euro im Jahr hat die Stadt einst als Zuschuss für Kultur in Aussicht gestellt. Dazu noch einmal 13.000 Euro im Jahr für den Betrieb einer behindertengerechten öffentlichen Toilette im Bahnhof. Die Toilette müsste allerdings von der Stadt auch gebaut werden. Aber eine solche Anlage soll doch sowieso am Ort entstehen.

Der Kulturbahnhof samt Programm kostete die Stadt also 33.000 Euro im Jahr. Das sind die Summen, um die es wirklich geht. 33.000 Euro! Dafür kann man keine Ampelanlage betreiben!

Der Kompromiss sieht nun vor, dass die Vereine den Bahnhof zum Verkehrswert kaufen können, jedoch unter der Auflage, dass keine Bühne installiert wird… Das Kulturprogramm solle sich also auf das Blockflötenkonzert im Hinterzimmer reduzieren.

Unterschriftenaktion

Die „Initiative für den Erhalt des alten Bahnofs“ lädt ein, den Informationsstand beim Stadtfest in Attendorn am Samstag, den 5. oder Sonntag, den 6. September zu besuchen.

Dort können Sie sich umfassend über das neue Konzept zum Erhalt des Bahnhofs bei einem Pläusschken, frischen Waffeln und einem Kaffee informieren und Ihre Stimme dafür abgeben, dass der Bahnhof erhalten bleibt.

Den Stand finden Sie an beiden Tagen in der Ennester Straße zwischen der Buchhandlung Hoffmann und dem Einrichtungshaus Haberkamp.

Dafür kommt jetzt die alte Post ins Spiel. Es gibt noch nix, kein Konzept, gar nix. Zumindest nicht offiziell. Dort soll der Saal für Kultur entstehen. Ein Pächter oder Investor oder wer auch immer soll es betreiben. Der wird von dem Saal leben müssen. Welcher kleine Verein soll dort Kultur leisten können? Und was passiert bei der ersten Veranstaltung, wenn die Raucher mitten in der Stadt vor die Tür gehen? Wo soll geparkt werden? Die Anwohner werden sich bedanken. Und was mag dieser Umbau kosten? Den leisten die drei Vereine jedenfalls nicht.

Wir stellen also momentane 33.000 Euro samt Programm gegen eine große unbekannte Rechnung.

Was gäben andere Kommunen und Unternehmer für ein solch attraktivierendes Geschenk am Ort!

33.000 Euro. Im Jahr. Gern dürfte die Stadt natürlich auch etwas spendabler sein, natürlich.

Augenmaß und Verantwortungsgefühl für die gesamte Stadtentwicklung. Das wurde vom Bürgermeister eingefordert.

Dieses Kind ist jedoch schon vor Jahren in den Brunnen gefallen, und alle wissen es, aber keiner traut sich, es mal laut zu sagen.

Wer noch nie in Attendorn war, was ist sein erster Eindruck? Eine riesige Stahlwerksruine schiebt sich mächtig in den Blick. Sieht so ein Standort aus, der in NRW weithin einsam auf Weltniveau in der wirtschaftlichen Bundesliga spielt?

Das neue ACS, das Automotive Center Südwestfalen, einer der innovativsten Bauten im Lande überhaupt, teilt sich nun ein Straßenschild in Ewig: ACS/JVA, bitte links abbiegen. Gegenüber der LEWA, unserem technischen Ausbildungsleuchtturm, dort hätte es hin gemusst. Es hätte auch noch genug Platz gegeben für alle Parkplatzsorgen überhaupt, zu Fuß in zwei Minuten in der Wasserstraße. Bäume, Rasen, Wiesenblumen. Und ein freier Blick auf einen der stolzesten Kirchtürme in ganz Westfalen.

Jetzt wird emsig drumrum skizziert. Unternehmer im weiten Bereich der Atta-Höhle erfahren am Tresen, dass ihnen ein Kreisverkehr ins Wohnzimmer geplant worden ist. Abenteuerliche Parkplatzpläne mit Fußgängerbrücken, veränderte Gehsteige, Laternen, keine Ahnung was noch, ist aber auch egal. So lange das Stahlwerk steht, ist es so, als würde man auf ein Häufchen eine Erdbeere drücken, um es doch noch irgendwie lecker hin zu biegen. Und die üNN-Halle hätte man als Bonbon sogar noch stehen lassen können. Kultur! Oder stellen Sie sich vor, man hätte dem Hauptwerk nur die Blechtafeln entfernt und das Gerippe der großen Walzhalle wäre gesandstrahlt stehen geblieben, um wie eine Skulptur den Wandel vom Montanstandort NRW in die Moderne zu erzählen, das ACS darin am Boden auf der grünen Wiese? Die Welt hätte vielleicht sogar hingeschaut. Vergeigt.

Klar, Geld hätte das gekostet. Viel Geld. Aber ob es teurer geworden wäre als alles das, was nun, wie heißt es so schön, Frequenz bringen soll? Zum Schluss lacht der knirschende Kubus mit seinen blinden Fenstern an alter Stelle. Besonders imposant übrigens, wenn man vom malerischen Biggesee herunter kommt.

Nun, mit der Planung des Kreisverkehrs am Zollstock mitten hinein in privaten Besitz und dem Ankauf der Häuser hinter dem alten Busbahnhof kommt man schon auf die Idee, der Bahnhof sei längst für einen ganz großen Wurf geopfert worden. Denn der vorgeschlagene Kompromiss, die Vereine sollten ihn kaufen, für weiß ich nicht, 180.000 Euro zum Verkehrswert? Um ihn dann als Wirtschaftsbetrieb zu unterhalten, mit netter Klön-Ecke, oder was? Darüber darf sich jeder selbst eine Meinung bilden. Wir bieten Kultur. Das volle Programm. Für zur Zeit 33.000 Euro jährlicher Kostenrechnung an die Stadt. Sie braucht nur die Ampelanlage in Ewig abschalten. Schon ist die Kohle da. Und morgens muss auch niemand mehr auf dem Kraghammer Sattel im Stau stehen, wenn er vielleicht rechts abbiegen will. Sie wissen schon, ACS/JVA.

Noch steht er. Wir brauchen Eure und Ihre Unterschrift, auf dem Stadtfest, in der Ennester Straße, zwischen Buchhandlung Hoffmann und Haberkamp Wohnen, zu Kaffee und Kuchen.

Achim Gandras

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