„Singende“ Saxophone – wie in Erinnerung an den Glenn Miller Sound der 40-iger Jahre, ein sehr abwechslungsreiches Programm, eingebettet in neuartige Arrangements von Beethovens „Freude schöner Götterfunken“ und originelle Darbietungen von Schillers „Ode an die Freude“ – so gestaltete sich der Auftritt des Forseti- Saxophonquartetts auf Einladung des Attendorner Kulturrings als ein Konzerterlebnis der Extraklasse, ungewöhnlich, sehr unterhaltsam und musikalisch auf höchstem Niveau.

Forseti Quartett Attendorn

Selten hat man Saxophone so filigran in ihrer klanglichen Abstimmung musizieren gehört, selten junge Künstler erlebt, die neben ihrer faszinierenden Virtuosität so zu einer inneren musikalischen Verständigung zusammengefunden haben. Magdalena Lapaj (Sopransaxophon), Dominic Childs (Altsaxophon), Enrico Taubmann (Tenorsaxophon) und Frank Riedel (Baritonsaxophon) lebten die Stücke regelrecht, die sie vortrugen – deutlich erkennbar an ihrer bewegten Körpersprache. Und sie lebten auch den Gedanken des vielfältigen und doch gemeinsamen Kontinents Europa. Aus unterschiedlichen Regionen Europas stammend, stellten die Musiker den Kompositionen aus mehreren europäischen Ländern kontrastiv die bekannten Worte „Ode an die Freude“ von Schiller gegenüber, die sie selbst zwischen den Musikstücken in einer jeweils anderen Sprache rezitierten. Als Abschluss wurde die Ode von gegenüberliegenden Positionen im Kirchenraum in Szene gesetzt und der Text von den Musikern gleichzeitig in 4 verschiedenen Sprachen deklamiert.

Diese für Auge und Ohr gleichermaßen wirkungsvolle Darstellung wurde beflügelt von der sympathischen Ausstrahlung der jungen Künstler und ihrer erkennbar eigenen Begeisterung für Wort und Musik. Neue Klangerfahrungen gefielen dem Publikum sowohl in den Bearbeitungen bekannter Werke wie auch in der Vorstellung eher unbekannter Originalkompositionen für Saxophonquartett. Konzentriert und äußerst differenziert musiziert wurden gleich zu Beginn die einzelnen Tanzsätze der Französischen Suite Nr. 1 von J.S. Bach (Bearb. Forseti). Eine gänzlich andere Stimmung verbreitete das von Puccini als Trauermusik geschriebene, hochexpressive „Crisantemi“ durch die nuancenreiche und gefühlvolle Spielweise. Einen abrupten Aufbruch in die Moderne bedeuteten danach die „ 3 Miniaturen“ der 1953 geborenen Komponistin Violeta Dinescu. Gut herausgestellt wurden hier die Anklänge an die volkstümliche Musik Rumäniens, hervorragend die solistischen Partieen der einzelnen Saxophone. Zum Publikumsliebling geriet schließlich der vom Forseti – Quartett bearbeitete „Ungarische Tanz“ von Brahms, der die Zuhörer beschwingt in die Pause entließ.

Neben dem lyrischen „ Alaric“ von Gavin Bryars mit seinen romantisch gefärbten, etwas sehnsüchtig klingenden Passagen stand Max Regers „Blätter und Blüten“ im Mittelpunkt des zweiten Konzertteils. Vom Quartett auswendig gespielt war die Interpretation dieser sehr eingängigen, im Charakter aber unterschiedlichen kurzen Sätze wieder ein bestes Beispiel für die Präsentation feinster Kammermusik – hier mit wunderbaren Soli des Sopransaxophons. Nach Karkoschkas Abzählreimen in Musik und Sprache erfolgte der Ausmarsch im Gleichschritt , begleitet vom nicht enden wollenden Beifall eines restlos begeisterten Publikums ob der grandiosen Leistung der jungen Saxophonisten.

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