Gabriel Stern, Attendorner Weltbürger, Abiturient von 1933

In Attendorn wird in diesem Jahr ein 500-jähriges Jubiläum der Schulbildung gefeiert. Etwa 1515 gründete der katholische Pfarrer Tilman Mülle eine Humanistenschule, an der in den ersten Jahren bereits einer der großen Söhne Stadt, der Philologe Johannes Rivius (1500–1553), in den klassischen Sprachen ausgebildet wurde. Diese erste Schule ihrer Art im südlichen Westfalen überlebte die Jahrhunderte in wechselnden Formen, bis sie als Städtisches Gymnasium im Jahr 1975 in Erinnerung an den ersten großen Humanisten aus ihren Reihen „Rivius-Gymnasium“ genannt wurde.

Es hat jedoch auch andere Abiturienten gegeben, die sogar weltpolitische Bedeutung erlangen sollten. Carl Schmitt (1888–1985) sei da genannt, der in Plettenberg geborene Staatsrechtler, auch als „Kronjurist des Dritten Reiches“ betitelt, der heute wieder ebenso wachsenden wie zweifelhaften Ruhm genießt.

Gabriel Stern - Attendorn
Geburtstag von Erich Ursell 1928 in Attendorn. Hintere Reihe, zweiter von rechts, Gerhard Gabriel Stern.

Dann aber auch ein weiterer Attendorner, der in seiner Heimat für viele Jahre regelrecht vergessen war und wahrlich segensreich gewirkt hat: Gerhard Gabriel Stern (1913–1983), Jahrgangsbester 1933 und hellsichtig genug, schnellstmöglich seine Vaterstadt zu verlassen, weil es im aufkommenden Terror der Nazis keine Perspektiven mehr gab. Stern, „Stella“ von seinen Schulfreunden genannt, ging als Gavriel Stern über Holland nach Palästina.

Er war der letzte Attendorner Abiturient mit jüdischem Seine Schwägerin Nana Kahn (1910–2002) war übrigens die erste Abiturientin, überhaupt die erste Schülerin am Städtischen Gymnasium, das sei noch hinzugefügt.

Gavriel Stern, der neben seiner Muttersprache fließend Hebräisch, Arabisch, Englisch, Griechisch und Latein sprach, sollte sich als Journalist in Jerusalem unermüdlich für den friedlichen Ausgleich der Völker im Heiligen Land einsetzen, wofür er vielfach ausgezeichnet wurde. Sein kosmopolitischer Intellekt kannte keine oberflächlichen Barrieren.

1979 besuchte er im Rahmen einer Vortragsreise durch Deutschland auch noch einmal seine ehemalige Heimatstadt Attendorn. Damals sagte er einem Reporter der Westfalenpost: „Wenn ich in Jerusalem bin, träume ich immer von der alten Heimat; seitdem ich hier bin, träume ich von Jerusalem.“ Als Gavriel Stern 1983 starb, folgten ihm Trauergäste unterschiedlichster Konfessionen und Nationalitäten auf seinem letzten Gang in Jerusalem.

Dass er nun, über 30 Jahre später, wieder im Bewusstsein seiner Heimatstadt angekommen ist, dafür hat Hartmut Hosenfeld mit seinem Buch „Gabriel, ein unbekannter Jude aus Attendorn“ gesorgt, das 2013 zum 100. Geburtstag Sterns in der Schriftenreihe „Jüdisches Leben im Kreis Olpe“ erschienen ist. Einen umfangreichen Artikel zur 500-jährigen Geschichte der Humanistenschule in Attendorn wird es im Jahresheft des Attendorner
Heimatvereins zu lesen geben.


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