Die leitende Pfarrerin und Geschäftsführerin der westfälischen Frauenhilfe, Angelika Weigt-Blätgen, hielt die Festpredigt anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Attendorner Frauenhilfe

Nachdem Kaiserin Auguste Viktoria 1899 die „Evangelische Frauenhülfe“ im Deutschen Reich gegründet hatte, hatte sie zunächst nicht viel Freude an den Frauen in Westfalen. Sie wollte mit diesen Vereinen dazu beitragen, die wirtschaftliche Not der Arbeiterfamilien in den Ballungsräumen zu lindern.

Wie die Leitende Pfarrerin und Geschäftsführerin der westfälischen Frauenhilfe, Angelika Weigt-Blätgen, in ihrem Grußwort und Predigt zum 100-jährigen Bestehen der Frauenhilfe in Attendorn am vergangenen Sonntag zum Ausdruck brachte, sprang man in Westfalen nicht sofort „auf den Zug auf“, sondern überlegte lange Jahre, bevor man 1906 den „Provinzialverband der Westfälischen Frauenhülfe“ in Witten gründete, in dem sich 75 von 91 schon bestehenden evangelischen Frauenvereinen zusammenschlossen.

Kurz nach seinem Amtsantritt in der noch jungen evangelischen Kirchengemeinde Attendorn gründete Pfarrer Karl Friedrich Schulte-Kersmecke 1912 in Finnentrop, das damals noch zur Kirchengemeinde der Hansestadt gehörte, die erste „Frauenhülfe“, wie sie damals noch hieß, in der Gemeinde, der kurz darauf wegen der großen Entfernungen auch in Attendorn selbst eine zweite folgte, wie der Vorsitzende des Attendorner Presbyteriums, Wolfgang Dröpper, in seinem Grußwort zu berichten wusste.

Festgottesdienst und Empfang
Beim Festgottesdienst in der ev. Erlöserkirche:Jutta Rohrmann, Superintendent Klaus Majoress, Angelika Weigt-Blätgen, Pfr. Dr. kallehirvik Christof Grote und Wolfgang Dröpper (v.l)

In der Gründungssatzung, die inhaltlich bis heute gilt, wurde der Zweck der „Frauenhülfe“ wie folgt beschrieben: „Die Frauenhilfe in Attendorn hat den Zweck, die Liebestätigkeit der evangelischen Frauen und Jungfrauen an den Gliedern der Gemeinde zu wecken und zu organisieren. Insbesondere widmet sie sich der Sammlung und der Erbauung der evangelischen Gemeindeglieder, der freiwilligen Armen- und Krankenpflege, der Rettung und Bewahrung konfessionell oder sittlich Gefährdeter, der Bildung und Erziehung der Jugend und der Verbreitung christlicher Schriften.“

Zwar ist die enge Konfessionsbindung nach dem zweiten Weltkrieg aufgegeben worden und hat dem Gedanken ökumenischer Weite Platz gemacht, sodass die Attendorner Frauenhilfe auch Frauen Heimat bietet, die nicht der ev. Kirchengemeinde angehören. Doch es geht auch heute noch um die Gemeinschaft, Stärkung im Glauben und praktische Hilfen in Notlagen. So richten die Damen seit Jahrzehnten die Seniorenadventsfeier und die Kaffeetafel zur Goldenen Konfirmation aus. Ihre Mitglieder waren es auch, die jahrelang von Haus zu Haus gingen, um für diakonische Aufgaben zu sammeln.

Heute engagieren sich die Frauen bei der „Attendorner Tafel“ und im Besuchsdienst des Krankenhauses oder den Senioreneinrichtungen in der Stadt. Auch das monatlich stattfindende Frauenfrühstück im Gemeindehaus ist von Frauen der Frauenhilfe wiederbelebt worden.

Festgottesdienst und Empfang
Zahlreiche Gemeindeglieder und Gäste gratulierten der evangelischen Frauenhilfe Attendorn zu ihrem 100. Geburtstag

Die erst elfte Vorsitzende in der 100-jährigen Geschichte dieses Gremiums in der Attendorner evangelischen Kirchengemeinde, Jutta Rohrmann, und der zuständige Pfarrer Dr. Christof Grote, konnten nach dem Festgottesdienst in der Erlöserkirche, an dem sich musikalisch auch der Männergesangverein „Cäcilia“ unter der Leitung von Tatjana Hund beteiligte, neben der Gemeinde auch zahlreiche Vertreterinnen der Frauenhilfen aus den Nachbargemeinden, den Superintendenten des Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg Klaus Majoress, eine Vertreterin der katholischen Schwestergemeinde, Gäste aus dem politischen Raum, insbesondere den stellvertretenden Bürgermeister Guntermann, und ganz besonders den langjährigen Pfarrer der Gemeinde, Eckehard Bertram, begrüßen. Pfarrer Bertram war nach seinen Grußworten besonders gern nach Attendorn zu diesem Festtag gekommen, da er 25 Jahre lang der zuständige Pfarrer für die Frauenhilfe war und durch sie immer das Ohr an den Belangen der Gemeindeglieder gehabt habe.

 

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