Der Pflegekinderdienst VIENTO sucht immer und insbesondere zur Zeit interessierte und engagierte Erwachsene, die bereit sind, junge Heranwachsende als Pflegekind vorübergehend oder auf Dauer in ihre Familie aufzunehmen!

Interessenten wenden sich an

Katholischer Sozialdienst, Mühlenstraße 5, 57462 Olpe,
Telefon 02761/8368-1631 Fax: 02761/8368-1610
Email: pkd-viento(at)ksd-olpe.de

Pflegedienst VIENTO

Interviewer: Anna (Name anonymisiert), warum lebst Du in einer Pflegefamilie?
Ich wohne jetzt seit fast einem Jahr bei Steinbach`s. Zuhause lief es schon lange nicht mehr gut. Oft hatte ich Schwierigkeiten mit meinen Eltern. Es gab häufig Streit über Kleinigkeiten, aber auch über größere Sachen. Am allerschlimmsten war aber, dass sie nie für mich und meine Geschwister da waren. Ich hatte den Eindruck, dass meine Eltern mich gar nicht kannten. Mein Vater war immer weg und meine Mutter hat ständig geschlafen. Über viele Jahre bin ich praktisch von meinen älteren Geschwistern großgezogen worden. Ich selbst habe mich um meine jüngeren Geschwister gekümmert, habe für sie gekocht oder mit ihnen gespielt.

Interviewer: Frau Steinbach (Name anonymisiert), wie haben sie anfangs das Zusammenleben mit einem für Sie noch fremden Menschen empfunden?
Anna lebt jetzt seit fast einem Jahr bei uns. Von Anfang an war der Umgang leicht mit ihr. Sie verhielt sich offen und hilfsbereit gegenüber den übrigen Kindern und Erwachsenen im Haushalt, zeigte sich allen gegenüber sehr hilfsbereit und zeigte von Beginn an die Bereitschaft, die bei uns geltenden Hausregeln einzuhalten.

Interviewer: Frau Steinbach, was haben Sie unternommen, um miteinander vertraut zu werden und gegenseitig in eine gute Beziehung zu kommen?
Wir haben einfach unser ganz normales alltägliches Familienleben weitergelebt. Das war für Anna neu. Bei den gemeinsamen Mahlzeiten haben wir viel miteinander geredet. Sie hat von aktuellen Erlebnissen, z.B. aus der Schule oder mit Freunden erzählt, aber auch von früher, von Schönem und Schwierigem aus ihrem Leben in ihrer Familie. Anna gab schnell viel von sich Preis und signalisierte mir und meiner Familie damit einen großen Vertrauensvorschuss, den wir durch Zuhören und dem Signalisieren von „Du bist uns wichtig“ beantwortet haben. Zur Anna`s Schulabschlussfeier sind mein Mann und ich gekommen. Sie hatte schon vorher vermutet, dass ihre Eltern nicht gemeinsam mit ihr den erfolgreichen Schulabschluss feiern wollen. Durch unsere Teilnahme erlebte sie, dass wir uns für sie und ihr Wohlergehen interessieren und einsetzen. Nach der Feier durfte Anna ihre Freunde zu uns nach Hause einladen. Abends haben die Jugendlichen alle gefeiert, die meisten haben auch hier übernachtet. Wir haben Anna`s Freunde kennen gelernt und auf diese Weise auch ein Stückchen mehr unsere Pflegetochter.

Interviewer: Frau Steinbach, was sind ihre Aufgaben als Pflegemutter bei einer jungen Heranwachsenden im Vergleich zu bspw. einem Kleinkind?
Im Alltagsleben ist es mir wichtig, dass Anna viele Erfahrungen sammeln kann, die sie auf ein selbständiges Leben vorbereiten. Indem sie sich selbst um ihre Wäsche kümmert, ihr Zimmer sauber und aufgeräumt hält oder eine Mahlzeit für uns alle ganz alleine zubereitet, lernt sie all die einzelnen Handlungsschritte kennen und macht zusätzlich die Erfahrung, dass saubere Wäsche im Schrank und ein voller Teller „viel Arbeit und Zeit im Vorfeld“ kostet. Die Hinführung zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Geld ist mir ebenfalls ein großes Anliegen. Anna soll erfahren, dass je nach dem, wie gewirtschaftet worden ist, Strom, Gas und Wasser viel Geld kosten können. Ich sehe mir mit ihr die Nebenkostenabrechnung an und wir sprechen darüber. Im Moment spielt das Thema „Ausbildung“ eine große Rolle. Anna musste sich klar darüber werden, in welche berufliche Richtung sie sich orientieren möchte. Als ihre Entscheidung für den Beruf der Frisörin gefallen war, haben wir gemeinsam die nächsten Schritte geplant. Letzte Woche haben wir fast 10 Bewerbungen geschrieben und abgeschickt. Wichtig ist mir auch, dass Anna allmählich wichtige Ansprechpartner aus relevanten Institutionen kennenlernt, und sich von ihnen später zu bestimmten Anliegen selbständig Rat und Hilfe einholen kann. Um uns verschiedenen Fragen im Hinblick auf die anstehende Volljährigkeit beraten zu lassen, haben wir In den letzten Monaten zusammen das Arbeitsamt, ein Geldinstitut, eine Krankenkasse und eine Versicherung aufgesucht.

Interviewer: Anna, was wünscht Du Dir von Deinen Pflegeeltern?
Seitdem ich in dieser Pflegefamilie ist immer jemand da, wenn ich mal über Probleme reden möchte. Es wird mir zugehört und ich kann mir durch das Erzählen einfach mal Luft machen. Aber auch wenn ich mal Stress mit meinem Freunden habe, und meine Pflegemutter frage, was ich tun soll, dann gibt sie mir hilfreiche Tipps und Ratschläge, so dass ich immer das Gefühl habe, es interessiert sich jemand für mich und ich bin mit meinen Problemen nicht allein. Als ich die Schule beendet hatte und erst mal nicht wusste, wie es beruflich nun weitergehen soll, war ich total froh, dass meine Pflegeeltern zusammen mit mir überlegt haben was es für Möglichkeiten gibt und die nächsten Schritte mit mir gegangen sind. So etwas kenne ich nicht von früher.

Interviewer: Frau Steinbach, wen können Sie um Unterstützung bitten, wenn es zu Konflikten zwischen ihnen und der Pflegetochter kommt, die sie in ihrer Familie alleine nicht mehr lösen können?
Jede Pflegefamilie hat einen Mitarbeiter von VIENTO als festen Ansprechpartner an ihrer Seite, der sowohl den Pflegeeltern als auch dem Pflegekind bei Bedarf zur Seite steht. Sollte es bei uns einmal zu einer Krise kommen oder es gäbe ein Problemthema, das immer mal wieder auftaucht und für Unruhe sorgt, wenden wir uns an Frau Stupperich, die unsere Familie kennt und begleitet. Je nach Dringlichkeit vereinbaren wir noch am selben Tag ein Treffen. Diese Gewissheit, dass wir als Pflegeeltern mit all den Herausforderungen nie alleine da stehen, ist ein beruhigendes Gefühl, mit dem wir unseren Aufgaben als Pflegeeltern gelassen begegnen können. Darüber hinaus gibt es im Kreis Olpe auch viele Beratungsstellen, die bei der einen oder anderen „pflegekinderunabhängigen“ Fragestellung weiterhelfen können.

Interviewer: Frau Stupperich, Sie sind Mitarbeiterin von VIENTO. Wo können interessierte Erwachsene erste Informationen erhalten, wenn sie mit dem Gedanken spielen, ein Pflegekind aufzunehmen?
Häufig sind sich Erwachsene unsicher, ob sie evtl. schon zu alt für eine Aufgabe „Pflegeeltern“ sind, möchten wissen, ob sie generell als Pflegeeltern geeignet wären, ob denn das Pflegekind immer bleiben kann etc. Auskunft zu solch brennende Fragen können wir direkt am Telefon geben. Nach dem Eingang eines Anrufes in unserer Zentrale (02761- 8368 0), würde sich direkt der für den Bereich zuständige Mitarbeiter bei den Interessenten zurück melden. Darüber hinaus können weitere Informationen rund um das Thema „Pflegekind“ auf der Homepage des katholischen Sozialdienstes (www.ksd-olpe.de) eingeholt werden. Gerne vereinbaren wir auch Informationsgespräche bei Interessenten zuhause. Im persönlichen Gespräch können je nach Bedarf, auch verbindlich weitere Schritte auf dem Weg in Richtung „Pflegeeltern-werden“ vereinbart werden.
(Die Anonymisierung erfolgte zum Schutz der Jugendlichen in ihrem neuen Lebensumfeld!)

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