tod attendorn - St. Ursula Gymnasium Attendorn
Schüler Marcel Lange als "der Tod" verkleidet

Wie geht unsere Gesellschaft mit dem Tod um? Ist er eine lästige Randerscheinung? Oder gar ein Tabu? Mit diesem Thema beschäftigt sich zurzeit Marcel Lange, Schüler des Attendorner St.-Ursula-Gymnasiums, in einer sozialwissenschaftlichen Facharbeit. Zur Beantwortung seiner Fragen unternahm der Zwölftklässler ein Experiment: Als „Tod“ verkleidet – in schwarzer Kutte, mit Schädelmaske und geschulterter Sense – ging er durch die Fußgängerzonen von Köln und Attendorn. Einige Mitschüler begleiteten ihn und zeichneten das Verhalten der Passanten auf.

In Köln waren die Reaktionen ausgesprochen wohlwollend. Es gab zwar Personen, die das Kostüm als „geschmacklos“ empfanden, die überwiegende Zahl zeigte sich jedoch erheitert oder zumindest neugierig. Einige Mutige zupften gar an der (mit Klebeband entschärften) Sense oder der Kapuze des Kuttenmannes, viele fotografierten. Eine alte Frau, der er begegnete, fragte ihn verwundert: „Ist denn schon wieder Krieg?“

Auf der Domplatte stellte sich Marcel dann in die Reihe der „Statuenmenschen“, die sich dort in den unterschiedlichsten Kostümen gegen eine Spende von den Touristen fotografieren lassen. Zum Vergleich platzierte sich etwas entfernt ein Mitschüler als „Kaiser von China“. Sofort wurde der Tod bei Jung und Alt aus aller Herren Länder zum beliebten Fotoobjekt. Das Resultat nach einer Stunde: 9,14 Euro für den chinesischen Kaiser, 14,86 Euro für den Sensenmann. Von Berührungsängsten gegenüber dem Tod konnte also keine Rede sein.

Anders sah es in Attendorn auf dem samstäglichen Wochenmarkt aus. Hier hatte der Sensenmann gerade einmal hundert Meter zurückgelegt, als er von den Vertretern des Ordnungsamts aus dem Verkehr gezogen wurde. „So etwas können wir hier nicht gebrauchen“, erklärte der Marktmeister, „das ist zu makaber.“ Außerdem könne der „Tod“ keine amtliche Sondernutzungserlaubnis vorweisen. Die von den Marktwächtern herbeigerufene Polizei sah hingegen keinen Handlungsbedarf: Es bestehe keine Gefahr für Leib und Leben der Marktbesucher.

Der Marktleiter widersprach: Der Anblick des Todes könne die Besucher schockieren; deshalb bleibe er bei seinem Verbot. Selbst als eine weißhaarige Dame vorbeiradelte und dabei dem Tod ein fröhliches „Mich kriegst du nicht!“ zurief, konnte ihn dies nicht umstimmen. Erst das unbürokratische Eingreifen des Attendorner Bürgermeisters, den die Schüler auf dem Markt trafen und um Hilfe baten, brachte den Sensenmann wieder auf den Weg.

tod attendorn - st. ursula gymnasium attendorn

Die Runden, die er anschließend auf dem Marktplatz drehte, verliefen unspektakulär. Die meisten Passanten ignorierten den Tod, einige gaben ihm ein paar freundliche Worte mit, etliche machten „Erinnerungsfotos“. Offene Kritik äußerte lediglich eine Gemüsehändlerin. Mit dem Tod solle man nicht spaßen. Leider werde er in der Öffentlichkeit zunehmend bagatellisiert, woran nicht zuletzt die Massenmedien schuld seien. Ob sie denn Angst vor dem Tod habe, wollten die Schüler daraufhin wissen. „Nicht vor dem Tot-Sein“, erwiderte sie, „denn ich glaube, dass ich in den Himmel komme.“ Nach kurzem Nachdenken fügte sie hinzu: „Angst habe ich nur davor, auf welche Weise er kommen wird.“

2 Kommentare

  1. Habe mich sehr amüsiert über den Bericht. Es gibt eben gewisse Unterschiede zwischen Köln und Attendorn … 😉

  2. Kann mich dem ersten Kommentar nur anschliessen…sehr gut geschrieben Herr K.
    😉

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