Linda Wicker, unterwegs als Praktikantin in Sri Lanka, berichtet über Ihren Ausflug in die Hauptstadt Sri Lanka´s…

Reizüberflutung und Chaotismus in Colombo

Colombo – 4 Mio. Einwohner, Quadratmeter, unzählbare Shops einhergehend mit tausenden von Leuchtreklamen, dazu das in meinen Augen faszinierend funktionierende System des Straßenverkehrs. Diese Begebenheiten haben dazu beigetragen, dass ich die Hauptstadt Sri Lankas zwar mit meinem Visa in der Hand, jedoch reizüberflutet und verwirrt wieder verlassen habe.

Ein Urlaubstag im Angels Home, die Verlängerung meines Visum für den Aufenthalt hier in Sri Lanka und das Sammeln erster „Reiseerfahrungen“ waren meine Ziele für die Fahrt nach Colombo. Viele Beschreibungen und Tipps wurden mir mit auf den Weg gegeben; letzten Endes kann man diese Stadt nur schwer mit Worten beschreiben, weil man, wie so oft im Leben, seine eigenen Erfahrungen sammeln muss.

„Durch ein Handzeichen am Straßenrand hält ein Bus an“ waren die Worte in meinem Gedächtnis, als ich morgens um 7.00 Uhr einen Bus auf mich aufmerksam machen wollte, dazu sollte er nicht voll sein, am besten klimatisiert und wenn möglich noch nach Colombo fahren… Bei den ersten acht war mein Handzeichen wohl zu nachlässig, die nächsten fünf sind Menschen überfüllt an mir vorbeigefahren, zwei haben umsonst angehalten, weil ich die Busnummer nicht rechtzeitig erkannt habe, aber in den gefühlt 25. Bus bin ich letztlich eingestiegen und zwei Stunden später relativ entspannt in Colombo-Pettah ausgestiegen. Es dauerte weniger als 10 Sekunden und ich saß schon im erst besten Tuk-Tuk. Auf der Fahrt zum Immigration Office habe ich mir nur gedacht, dass ich mich vielleicht mal besser am Busbahnhof hätte umschauen sollen, damit ich später noch eine Orientierung habe… Zu spät. Mein Tuk-Tuk drängelte sich schon hupend zwischen LKW´s Autos, Tuk-Tuks, Motorrädern und anderen Transportfahrzeugen hindurch, benutzte mal die Hauptstraßen, mal Gassen zwischen irgendwelchen Hinterhöfen. „Egal“ dachte ich mir, „Department of Immigration“ hatte er verstanden… Warnungen eines überfüllten und unorganisierten Amtes ergänzten meine Erwartungen, die sich wenig später bestätigten. Aufgrund einer, mir vorher mitgegebenen, ausführlichen Beschreibung der vier geteilten Stationen, die ich durchlaufen muss, betrat ich zwar etwas genervt, aber mit einem zufriedenen Gesicht und meinem Pass in der Hand drei Stunden später die Straße.

Ob die Straße selbst oder das Immigration Office mehr Verwirrung in mir auslöste, kann ich bislang gar nicht sagen. Jedoch weiß ich, dass alles, wirklich alles, in dieser Stadt Verbesserungspotential mit sich trägt. Die Größe Colombos ist vergleichbar mit Berlin. Diese Gegenüberstellung kam mir nicht selten in den Kopf. Allein uns bekannte komplexe Ampelanlagen sowie in Großstädten nicht mehr wegzudenkende U-Bahnen erleichtern unser Straßensystem enorm. Für diese Erkenntnis brauchte ich zunächst eine asiatische Millionenstadt, die mir die Bedeutsamkeit unseres Straßensystems nochmal darlegt. Jedoch, erschreckend aber wahr, das Verkehrssystem funktioniert auch in Colombo! Und die Vielzahl an Tuk-Tuks, die dich am liebsten alle gleichzeitig mitnehmen möchten, sowie die unzähligen Busse ermöglichen dir doch irgendwie irgendwann an dem Ort anzukommen, wo du geplant hattest hin zu gelangen.

Stadtteil Fort

Zwei sehenswerte und recht bekannte Stadtteile sind Fort und Pettah. Beide definitiv sehr reizvolle aber von Grund auf verschiedene Gegenden. Fort – durch die Kolonialzeit geprägt und heute immer noch teilweise Militärbesetzter Stadtteil, mit modernen sowie historischen Gebäude bestückt, locken aufgrund vieler Shopping-Möglichkeiten und das nahe liegende Meer unstreitig Touristen wie mich an. Pettah – nach Aussage meines Reiseführers der „multikulturellster Ort des Landes“, das konnte ich sofort unterstreichen; dass man in den „Boutiquen“ alles findet, was man sucht, lasse ich mal dahin gestellt. Falls ich auf der Suche nach irgendetwas gewesen wäre, wäre ich bestimmt nicht zum Suchen gekommen. Die Menschenmengen, die sich durch kleine Gassen quetschten, die Straßenhändler, die ihre Waren an den Mann bringen wollten und die Tuk-Tuks, die meinten doch die Abkürzung durch die „Fußgängerzone“ zu nehmen, überforderten meine Aufnahmekapazitäten und ließen mich einfach nur erstarren.

Stadtteil Pettah

Als wäre das Alltagsleben in Pettah nicht schon genug für meinen ersten Aufenthalt gewesen, stoß ich auf eine singhalesische Parade, die durch laut hallenden Trommeln und tanzenden Frauen auf sich Aufmerksam machte. Mein bis dahin noch positiv gestimmte Haltung änderte sich schlagartig, als ich einen Mann hängend, an vier durch seine Haut durchgezogenen Ringe, neben mir Schwingen sah. Trotz negativer Abneigung dem Ganzen gegenüber musste ich diese Vorkommnisse fotografisch festhalten. Den Fotoapparat in der Hand haltend, die einzige mit einer weißen Hautfarbe im gesamten Viertel, zudem total schockiert, was um mich herum gerade passiert, betitelten mich eindeutig als Tourist. Zum Glück sollte ich nicht nur den aufgeschlitzten Mann von Pettah in Erinnerung behalten. Der erste Elefant, dem ich in Sri Lanka begegnet sollte, stand plötzlich eine Armlänge von mir entfernt und ließ mein Gesicht erneut strahlen…

Linda Wicker - Hängender Mann

Verrückte Stadt, verrückter Tag – geschafft, aber sehr zufrieden mit den ersten „Reiseerfahrungen“ bin ich abends in mein Bett im Angels Home gefallen!


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