Piraten - Philipp Vogel
Philipp Vogel im Piratenkostüm

Wen soll ich am 13. Mai wählen? Diese Frage stellte sich am vergangenen Wochenende Philipp Vogel, Schüler des Attendorner St.-Ursula-Gymnasiums. In der Kölner City unternahm er deshalb einen Selbstversuch der besonderen Art. Im Piratenkostüm, stilecht bewaffnet mit Entermesser und zwei alten Perkussionspistolen, ging er von Wahlkampfstand zu Wahlkampfstand und ließ sich beraten. Einige Mitschüler begleiteten ihn mit Kamera und Mikrofon und dokumentierten seine Erfahrungen.

Auffällig war, dass das scheinbar „eindeutige“ äußere Erscheinungsbild des jungen Mannes völlig ignoriert wurde – er erhielt problemlos alle gewünschten Informationen. Gleichwohl hielten die Wahlhelfer mit ihrer Meinung über die aufkommenden „Piraten“ nicht hinterm Berg.

Der Vertreter der Linken gestand der neuen Gruppierung zwar zu, „im Internet- und Medienbereich kompetent“ zu sein, sah allerdings Defizite auf fast allen anderen Politikfeldern: Weder zur Frage des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr noch zur Steuer- und Sozialpolitik habe er von den Piraten befriedigende Antworten erhalten.

Der Wahlhelfer der FDP zog die Legitimität der Piratenpartei zwar nicht in Zweifel, appellierte jedoch an deren potenzielle Wähler, sich genau zu überlegen, ob sie „statt der Inhalte vielleicht nur eine Verpackung“ orderten.

piraten - St. Ursula AttendornBesonders gereizt reagierte man am Stand der Grünen. Während ein Lokalpolitiker sich über die Existenz der Piraten immerhin freute, weil dies „den Tod der FDP“ bedeute, widersprach sein Kollege heftig. Die Piraten seien eine „Abzocker-Partei“ ohne konkretes Programm und ohne Skrupel. Wer zum Beispiel einen kostenlosen Öffentlichen Personennahverkehr fordere und den hierdurch freigesetzten Fahrscheinkontrolleuren allen Ernstes vorschlage, doch einfach auf IT-Programmierung umzuschulen, handle „menschenverachtend“.

Am Wahlkampfstand der Piraten sah man das naturgemäß anders. Selbstverständlich könne man ein Wahlprogramm vorlegen. Die Langfassung habe immerhin 76 Seiten und sei damit vielleicht sogar „etwas textlastig“ ausgefallen. Dass die Piraten keine seriösen Inhalte präsentieren könnten, sei somit „schlichtweg falsch“. Das Kennzeichen der Piraten sei aber im Übrigen, neben neuen Inhalten vor allem einen neuen Politikstil umzusetzen.

Ausgesprochen gelassen angesichts dieses neuen Stils zeigten sich die Vertreter der Kölner CDU. Immerhin hätten es die Piraten geschafft, viele Leute wieder für die Politik zu begeistern. Man freue sich bereits auf deren Erscheinen in den Parlamenten und sei gespannt, ob sie tatsächlich „neuen Wind“ in die politischen Abläufe brächten.

Die umfangreichen Informationen, die Philipp Vogel im Laufe seines Erkundungsgangs sammelte, wird er nun in einer sozialwissenschaftlichen Facharbeit über die Piratenpartei verwenden. Ein Film über seine Aktion ist unter dem Titel „Hilfe! Piraten!“ bereits jetzt im Internet auf YouTube zu sehen.

[flash http://www.youtube.com/v/alm403xsWsg]

Als Einspieler wird dieses Video auch während der Podiumsdiskussion gezeigt werden, die am kommenden Montag, den  07. Mai, mit den heimischen Landtagskandidaten im St.-Ursula-Gymnasium stattfindet.

Die Veranstaltung steht auch interessierten Attendorner Bürgerinnen und Bürgern offen. Diese bittet der Veranstalter allerdings um eine kurze telefonische Voranmeldung im Sekretariat der Schule (02722-92580).

Podiumsdiskussion zur Landtagswahl
Datum: Montag, 07.05.2012
Zeit: 13.15 – 15.00 Uhr
Ort: Forum der St.-Ursula-Schulen (St.-Ursula-Gymnasium, St.-Ursula-Str. 12, 57439 Attendorn)

Als Diskussionsgäste zugesagt haben die Kandidaten Theo Kruse (CDU), Reinhard Jung (SPD), Fred Josef Hansen (B’90/Grüne), Joachim Hoffmann (FDP), Willi Hempelmann (Piraten) und – in Vertretung der Wahlkreiskandidatin Tanja Losse – Özlem Demirel (Linke).

(alle Fotos: St. Ursula Schule Attendorn)

 


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