„Ausverkauft!“ – stand in der Eingangstür. Und so war es auch, denn die Buchhandlung Frey in Attendorn war bis auf den letzten Platz besetzt, als Gisbert Baltes am Mittwochabend aus seinem Buch „Rheinland“ las. Gleichzeitig startete der Autor in seiner alten Heimat Attendorn seine Lese-Tour durch Nordrhein-Westfalen. „Ein voller Erfolg und ein wunderbares Gefühl“, schwärmte Baltes, als die Lesung in Attendorn zu Ende war: über eine Stunde signierte er anschließend Bücher für viele alte Bekannte, aber auch für Kölner, Düsseldorfer, Bonner und Bad Honnefer, die in Attendorn leben und plötzlich „Heimatgefühle bekamen“. Unter den Zuhörern war auch der ehemalige Attendorner Bürgermeister Alfons Stumpf, der „vor allem beeindruckt war von den Texten über den Widerstand des Edelweißpiraten Jean Jülich in Köln während der Nazi-Zeit.“

Gisbert Baltes - Lesen in Attendorn
Zufriedene Gesichter schon vor der ausverkauften Lesung in der Attendorner Buchhandlung Frey: Gastgeber Michael Frey (2. v.l.) mit Buchautor Gisbert Baltes und dem Kölner Gesangsduo Songül und Ralf Wiesmann. Nach der Lesung gab’s Kölsch vom Fass.

Das bei Hoffmann und Campe erschienene Buch „Rheinland“ des in Heggen geborenen Journalisten Gisbert Baltes (60) ist ein „emotionales Sachbuch über das Rheinland und kein Reiseführer“, sagt der Autor. Jede Jeck es anders. So lautet die Präambel des Rheinischen Grundgesetzes und bedeutet letztlich: Alle Menschen sind gleich. Gisbert Baltes hat die elf Paragraphen dieser Mentalitätsbeschreibung als Leitlinie für sein Buch gewählt.

Begleitet von dem Kölner Gesangsduo Songül und Ralf Wiesmann – las er fast 1 ½ Stunde in Attendorn und bekam zwischendurch immer wieder Szenenapplaus. „Die ausgelegten Liedtexte waren nicht umsonst“, freute sich Baltes hinterher zudem, denn zwischen den einzelnen Kapitel sang das Publikum mit dem Gesangsduo die Lieder, die Gisbert Baltes in seinem Buch thematisiert, kräftig mit: das Stammbaum-Lied und Drink doch eine met von den Bläck Fööss, der Trizonesien-Song von Karl Berbuer oder Freu Dich, wenn do noch jet laache kanns von Hans Knipp.

Unter die Haut ging sein Kapitel über den „Tod im Rheinland“, wo Baltes eine Verbindung zum Sauerland und zum Tode seiner kürzlich verstorbenen Mutter herstellt: Er zitiert dabei den Rheinländer Fritz Roth aus Bergisch Gladbach, einen der bekanntesten Trauerbegleiter und Bestatter Deutschlands: „Setzt euch eine Stunde zu eurer toten Mutter oder zu eurem Vater!“, rate Roth und halte damit ein Plädoyer, dass die Toten, wie es früher im Rheinland und auch im Sauerland selbstverständlich war, wieder zu Hause aufgebahrt werden. „Wir lassen uns unsere Toten stehlen“, klage Roth , aber der „Tod braucht einen begreifbaren Abschied, denn nichts ist schlimmer für Menschen, als das Fehlen eines Abschieds.“
Baltes: „Diese Worte hatte ich mir hinter die Ohren geschrieben. Ich habe meine Mutter, als sie tot war, nach Hause geholt. Sonntagnachmittags. Zur Kaffeezeit. Aufgebahrt dort, wo sie immer am liebsten war, in ihrem schönen Wohnzimmer. Freundinnen und Freunde, Nachbarn und Weggefährten waren ausnahmslos alle vorbeigekommen. Draußen goss es in Strömen. Wir hatten die Sommermarkise heruntergefahren – darunter konnte man sitzen. Erst standen sie alle ergriffen am Sarg – dann ging es vor die Tür. Es gab Wasser und Wein wie bei der Hochzeit zu Kana. Und schon nach kurzer Zeit lachten sie alle, und sie lachten herzlich und auch laut, weil sie sich alle an schöne Erlebnisse mit ihr erinnerten. Ich habe genauso herzlich mitgelacht. Das war ein schöner Abschied. Erst recht für mich.“

Der Bonner Generalanzeiger schrieb über Baltes und sein Buch:
„Rheinland“ bewegt. Es ist gegliedert in elf Artikel des Rheinisches Grundgesetzes, keine anheimelnde Liebesbekundungen, sondern bildhafte Geschichten mit Tiefenschärfe.

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