Daria Tschaikowskaja
Daria Tschaikowskaja

Zum wiederholten Male hatte der Kulturring der Stadt Attendorn zu einem Konzert der Reihe „Best of NRW“ in die Aula des Rivius-Gymnasiums eingeladen. Das Projekt „Best of NRW“ fördert vielversprechende junge musikalische Talente, die bereits an nationalen und internationalen Wettbewerben erfolgreich teilgenommen haben.

Leider hatten sich nur etwa 60 Zuhörer in die Aula aufgemacht, darunter kaum jugendliche Besucher. Die anwesenden Konzerthörer durften aber einen erfüllenden, wunderbaren Abend genießen.

Auf dem Programm standen drei Meilensteine der Werke für Klavier und Violine, vortragen von der Pianistin Daria Tschaikowskaja und dem Geiger Andrey Rozendent. Das Duo überzeugte mit seinem ausdrucksstarken vitalen Spiel und seiner hervorragenden Bühnenpräsenz vom ersten Ton an das Publikum. Dabei hatten sie an den Beginn die berühmte „Kreutzer-Sonate“ von L. v. Beethoven gesetzt, die mit einer heiklen Einleitung, einer doppelgriffigen Pianokantilene durch die Violine beginnt, die A. Rozendent makellos souverän meisterte.

Diese bedeutendste Duo-Sonate für Violine und Klavier des Meisters verlangt von den Interpreten technische Perfektion bei absoluter Unterordnung der Virtuosität unter den musikalischen Ausdruck. Beide Musiker stellten mit kraftvollem und jugendlich frischem Spiel dieses „Sturm-und-Drang“ geprägte Werk Beethovens dar.

Die „Teufelstrillersonate“ von Tartini in einer Bearbeitung durch Fritz Kreisler, der die Violinstimme technisch schwerer gestaltete und der ursprünglich auch als Solo spielbaren Sonate eine sparsam unterstützende Klavierbegleitung hinzufügte, beinhaltet für das 18. Jahrhundert wahrhaft teuflisch schwere Anforderungen im Geigenpart. Tartini berichtet, der Teufel habe ihm im Traum etwas vorgespielt, was der Geiger danach versucht hatte aufzuschreiben.
Kinnhalter zu Bruch

A. Rozendent trug ohne Nervosität, fast übermütig werdend, die mit Doppelgriffen und Doppeltrillern gespickte Kreislerfassung vor und ließ keine Zweifel an seiner technischen Begabung aufkommen. Zuvor musste er seinen zu Beginn des Konzertes zerbrochenen Kinnhalter auswechseln. Schon Tartinis Original ist, wenn man es wie Andrew Manze in historischer Aufführungspraxis umsetzt, eine Herausforderung.

Andrey Rozendent
Andrey Rozendent

Nach diesem auf Virtuosität angelegten Werk musizierte das Duo die bekannte Sonate von Caesar Franck, dieses hochromantisch tiefgründige Werk, bei dem die Technik wie bei Beethoven unbedingt dienende Funktion erfüllt. Der erste Satz beginnt mit fast zerbrechlich wirkenden Klängen, die Musik entwickelt sich allmählich, zögernd, vorsichtig in langen feinen Kantilenen, während der zweite Satz mit einer stürmisch hervorbrechenden, wie lange zurückgehaltenen Geste beginnt, die immer wieder mit lyrischen Passagen kontrastiert wird.
Jugendlicher Übermut

Dem dritten Satz, einem „Rezitativ-Fantasia“ folgt der heiter versöhnliche Schlusssatz mit liedhaften Wendungen, in dem beide Interpreten noch einmal ihren Instrumenten eine reichhaltige Palette an Klangfarben entlockten. Geiger und Pianistin ließen hier keine Wünsche offen, wenngleich jugendlicher Übermut gelegentlich etwas dominierte.

Hier waren zwei junge Künstler zu hören, die technisch bereits auf höchstem Niveau angekommen sind und sicherlich eine vertiefende künstlerische Entwicklung erleben werden. Das begeisterte Publikum forderte mit seinem Applaus eine Zugabe, die in der Gestalt des mit fröhlich entspanntem Ausdruck vorgetragenen Scherzos von Johannes Brahms, seinem Freund, dem Geiger Joseph Joachim gewidmet, erklang.

Ein wunderbarer Abend, der mehr Publikum verdient hätte und die Anwesenden neugierig auf die nächsten Konzerte von „Best of NRW“ gemacht hat.

Gabriele Fuchs-Rinscheid

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