Mit deutlichen Worten kritisierten die Unternehmer beim Olper Stammtisch der Industrie- und Handelskammer Siegen (IHK) die von der Landesregierung geplante „Reichen“-Umlage zur Rettung klammer Kommunen in Nordrhein-Westfalen. Mit dieser Abgabe sollen finanzstarke Kommunen in einen Solidarfond einzahlen, um die Finanznot hochverschuldeter Kommunen in Nordrhein-Westfalen zu reduzieren. Rund 35 Firmenvertreter des jährlich von der Kammer veranstalteten Treffens in der Attendorner Burg Schnellenberg äußerten ihren Unmut über dieses Gesetzvorhaben. „Es kann nicht sein, das immer weiter steigenden Kosten gerade im Bereich staatlicher Transferleistungen durch ein Abschöpfen erfolgreicher Kommunen wie hier im Kreis Olpe kompensiert werden“, so IHK-Vizepräsident Rupprecht Kemper. „Die Zeche dafür werden zum ganz überwiegenden Teil wir Unternehmen zahlen“, so Kemper.

Olper Stammtisch - Burg Schnellenberg
Mit deutlichen Worten kritisierten die Unternehmer beim Olper Stammtisch der IHK Siegen die von der Landesregierung geplante „Reichen“-Umlage zur Rettung klammer Kommunen in Nordrhein-Westfalen

Nachhaltig brenne den Untenehmen im Kreis Olpe mittlerweile das Fachkräfteproblem unter den Nägeln. Unisono wiesen die Teilnehmer des Olper Stammtisches daraufhin, dass die sich abzeichnenden demografischen Probleme gemeinsames, entschlossenes und weitsichtiges Handeln in Politik und Wirtschaft erforderten. Vizepräsident Kemper betonte, wie wichtig qualifizierte Fach- und Führungskräfte neben ausreichenden Gewerbeflächen und einer vernünftigen Verkehrsanbindung für erfolgreiche Unternehmer seien. „Die besten Aufträge nutzen nichts, wenn man nicht das erforderliche Personal hat. Die Fachkräfteversorgung wird eines der Megathemen der kommenden Jahre.“

Kemper wies zu gleich auf ein Dilemma hin. Einerseits bewege man sich bei der Bereitstellung von Lehrstellen im Kreis Olpe auf Rekordniveau. 2011 verzeichnete die IHK mit circa 830 Lehrverträgen so viel wie zuletzt Ende der 80er Jahre. Dies zeige, dass zahlreiche Unternehmen derzeit bereits „auf Vorrat“ ausbildeten. Zugleich führe dieser Lehrstellenrekord dazu, dass sicherlich viele Unternehmen derzeit noch Schwierigkeiten mit der Vorstellung hätten, dass schon in wenigen Jahren die Anzahl der Schulabgänger dramatisch sinke. Kemper: „Viele glauben vielleicht immer noch nicht, dass auch der Kreis Olpe bis zum Jahr 2019 ein Viertel aller Schulabsolventen verliert.“ Wenn gleichzeitig die Arbeitslosigkeit weiter sinke, könne der Fachkräftebedarf zukünftig weder über die betriebliche Erstausbildung noch über die Beschäftigung von arbeitsuchenden Personen gedeckt werden. Gerade vor diesem Hintergrund sei es wichtig, dass sich die beiden Kreise Olpe und Siegen-Wittgenstein gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer und anderen Akteuren vor wenigen Wochen auf eine regionale Fachkräftestrategie verständigt hätten. Diese umreiße in insgesamt zwölf Handlungsfeldern die zentralen, regionalen und arbeitsmarktpolitischen Erfordernisse. Wolle man den Fachkräfteengpass beseitigen, müsse zum Beispiel die Frauenerwerbesquote deutlich gesteigert, der Übergang von der Schule in den Beruf weiter verbessert und zugleich auch die Qualifizierung von Migranten noch intensiver vorangetrieben werden. Das regionale Handlungskonzept umfasse unterschiedliche Projekte für deren Mitfinanzierung die IHK-Vollversammlung in den kommenden drei Jahren je 100.000 Euro zur Verfügung stellen werde. Kemper: „Dieses Geld wollen wir auch im Kreis Olpe investieren, etwa zur Attraktivitätssteigerung der industriellen Metall- und der Bauberufe oder in den Aufbau leistungsfähiger Strukturen der Weiterbildungsberatung.“

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