„Wie schön, dass Sie sich die letzten Sonnenstrahlen dieses goldenen Oktobersonntages verkniffen haben, um heute unseren Klängen zu lauschen“ – mit diesen Worten begrüßte Werner Fichten, der Dirigent des Attendorner Kammerorchesters, die Zuhörer zum diesjährigen Herbstkonzert am letzten Sonntag. Diese waren so zahlreich erschienen, dass die Aula des Rivius-Gymnasiums aus allen Nähten platzte. In den folgenden zwei Stunden wurde ihnen ein intensiv einstudiertes und abwechslungsreiches Programm dargeboten, das einen Bogen von der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts bis ins 20. Jahrhundert spannte.

Musikalisch wurde der Abend mit der Sinfonie für Streichorchester des italienischen Opernkomponisten Giovanni Paisiello eröffnet. Das Orchester vermochte es, dem einsätzigen Werk Leichtigkeit und Eleganz zu entlocken und ließ die Zuhörer so erahnen, welche Vielfalt das Oeuvre Paisiellos auszeichnet. Einer profunden Einführung in Werk und Bedeutung Georg Philipp Telemanns durch Werner Fichten folgte dann Telemanns „Concerto polonois“, eine Tanzsuite nach polnischem Stil. Versiert dargebotene Originalphrasierungen, die gekonnte Ausformung unaufdringlicher Rallentandi und Accelerandi und die faszinierende Spritzigkeit der schnellen Tänze erschufen die Atmosphäre einer Hofgesellschaft im 18. Jahrhundert.

Anschließend eroberte Ines Schmitz-Hertzberg mit ihrer virtuosen Darbietung des Klarinettenkonzerts in B-Dur von Saverio Mercadante die Herzen der Zuhörer. Die stellvertretende Leiterin der Musikschule Attendorn-Finnentrop überzeugte im Allegro Maestoso mit Farbenreichtum und solistischer Brillanz, ohne den Kontakt zum Orchester zu verlieren. Mit souveräner und mitunter spontaner, nie aber spröde-exponierter Spielfreude gestaltete die Solistin den dialogartigen Charakter des Konzertes. Im zweiten Satz, einer Folge von Variationen eines ruhig-fließenden Themas, bewies sie zunächst in den eigenen Solopassagen und der meisterhaften Begleitung der ebenso vorzüglichen Solo-Oboe eindrucksvoll ihr musikantisches Talent, um im getragenen B-Moll-Intermezzo den warmen, angenehmen Ton ihrer Klarinette darzubringen. Das Auditorium bedankte sich zur Pause mit begeistertem Applaus.

Kammerorchester Attendorn
1952 - 2012: Das Kammerorchester Attendorn feiert im nächsten Jahr 60. Geburtstag

In der zweiten Hälfte begann das gut besetzte Kammerorchester mit der Fortsetzung seines Zyklusses englischer Komponisten des 20. Jahrhunderts. In der „Moorside Suite“ waren rhythmische Exaktheit und klare Intonation gefordert, um die keltisch anmutenden Motive des Werkes von Gustav Holst zum Leben zu erwecken – beidem wurden die Musizierenden gerecht. Dem vor Spielwitz kaum zu bändigenden Anfangssatz folgte eine schwelgende Nocturne, an die sich das furiose Finale anschloss. Nicht minder anspruchsvoll war die folgende Vertonung zweier Gedichte von Edvard Grieg. Die ergreifende Darbietung von „Herzwunden“ und „Der letzte Frühling“ verlangte den Streichern alles ab. Der homogene Klangkörper ließ es an der notwendigen Präzision nicht missen. Die von Edvard Grieg geforderten radikalen dynamischen Differenzierungen kreierten eine emotionale Spannung, wie sie nur durch Musik aufgebaut werden kann.

Den Abschluss des Konzertes bildete schließlich die Sinfonie in D-Dur des Mozart-Zeitgenossen Josef Myslivecek. Verstärkt durch Hörner und Oboen setzte das Kammerorchester mit diesem Werk einen würdigen Schlusspunkt unter ein gelungenes Konzert vor ausverkauftem Haus.

Nach nicht enden wollendem Applaus und einer Zugabe sprach Dirigent Werner Fichten die Einladung zu einem ganz besonderen Ereignis aus: Am Sonntag, den 6. Mai 2012 feiert das Kammerorchester Attendorn sein 60-jähriges Bestehen und lädt zu diesem Anlass bereits jetzt zu seinem Jubiläumskonzert um 17:00 Uhr in der Stadthalle Attendorn ein.

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