Trotz Regenwetter kamen mehr als zwanzig Frauen und Männer in das Attendorner Rathaus, um sich auf eine Zeitreise durch die deutsche Frauenbewegung zu begeben. Eingeladen zu dieser Kooperationsveranstaltung hatten die Volkshochschule (VHS) des Kreises Olpe und die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Attendorn.

Vor 100 Jahren wurde der Internationale Frauentag zum ersten Mal in Deutschland gefeiert. Aus diesem Anlass referierte die Journalistin und Medienwissenschaftlerin Dr. Bärbel Röben aus Attendorn über die Geschichte der Frauenbewegung und „ihres Tages“ – von Clara Zetkin über Alice Schwarzer bis zu den Alphamädchen, den karrierebewussten jungen Frauen heute. Einige Reaktionen nach dem Vortrag: „Erstaunlich, dass der Gehorsamsparagraph im Eherecht erst 1959 abgeschafft wurde!“ – „Warum bekommen Frauen im Schnitt 23 Prozent weniger Lohn als Männer?“ – „Ein Frauentag und 364 Männertage?“

Auf großes Interesse stieß der erste Gleichstellungsbericht der Bundesregierung, der im Juni veröffentlicht wurde. „Minijobs gehören abgeschafft!“, meinte eine Zuhörerin, nachdem sie erfuhr, wie „geringfügige Beschäftigung“ für Frauen in Altersarmut mündet. Mehr Anerkennung für die unbezahlte Sorgearbeit, die vor allem Frauen leisten, wünschten sich viele, dazu eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Erwerbsarbeit.

vortrag frauenbewegung - Rathaus Attendorn
Dr. Bärbel Röben referierte über die Geschichte der Frauenbewegung im Ratssaal der Stadt Attendorn.

 

Ein Zuhörer fragte mit Blick auf den aktuellen Fachkräftemangel, ob so nicht neue Chancen für Frauen im Beruf entstehen, zumal eine große Firma in Attendorn bereits einen Betriebskindergarten eingerichtet habe. „Das hängt davon ab, ob es gelingt, verwirklichte Chancen abzusichern, denn sonst gibt es wieder einen Rückschritt, wenn sich die wirtschaftlichen Verhältnisse ändern“, meinte die Referentin Dr. Röben mit Verweis auf historische Erfahrungen. In der Weimarer Republik stieg die Zahl der berufstätigen Frauen enorm. Doch als männliche Kriegsheimkehrer auf den Arbeitsmarkt drängten und 1929 die Weltwirtschaftskrise ausbrach, verloren Frauen als erste ihren Job.

Für Frauen, die sich vertiefend mit Geschichte und Gegenwart der Frauenbewegung in Deutschland beschäftigen wollen, bietet die VHS im November einen Kurs im Berufskolleg in Attendorn an. Die drei Abende gliedern das Thema entsprechend den drei Wellen der Frauenbewegung: Anfänge, Bundesrepublik der 60er Jahre, Deutschland ab 1990. Termine: Donnerstag, 10., 17. und 24. November, jeweils von 17.30 – 19.00 Uhr. Interessierte können sich anmelden bei der VHS in Olpe unter Telefon 02761/923631 oder E-Mail: anmeldung@vhs-kreis-olpe.de.

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