Einen musikalisch höchst reizvollen Konzertnachmittag verspricht das Programm des Kammerorchesters Attendorn für sein diesjähriges Herbstkonzert am Sonntag, dem 16. Oktober um 17 Uhr in der Aula des Rivius- Gymnasiums.

Unter der Leitung von Werner Fichten beginnt das Orchester mit der „ Sinfonie B-Dur“ des Neapolitaners Giovanni Paisiello (1740-1816). Das einsätzige Werk des zu seiner Zeit höchst erfolgreichen Opernkomponisten lässt immer wieder musikalische Elemente der neapolitanischen Oper des 18. Jahrhunderts anklingen, was zu einer heiteren Entspanntheit des Zuhörers beitragen wird.

Georg Philipp Telemanns „ Concerto polonois für Streicher und Bc.“ (um 1709) verrät etwas über die musikalische Neugier des umtriebigen Komponisten, dem es darauf ankam, möglichst vielen Stilrichtungen der damaligen europäischen Musik nachzugehen.

Gespannt sein darf der Konzertbesucher auf die „ historisierende“ Spielart, mit der das Orchester hier auf zeitgemäßen Instrumenten dem Werk zu einem überraschenden Klang verhilft.

Einen ersten Höhepunkt erreicht das Programm mit dem „ Concerto B-Dur für Klarinette und Kammerorchester op.101“ von Saverio Mercadante (1795-1870). Das 2-sätzige Werk beginnt mit einem typisch instrumentalen „ Allegro maestoso“, um dann in ein fantasievoll opernhaftes „Andante con variazioni“ überzugehen. Überraschend herausgehoben wirkt hier das Wechselspiel zwischen der Solo- Klarinette und einer solistisch eingesetzten Oboe im Übergang zur Moll- Variation. Dieser kompositorische Kunstgriff bewirkt eine noch reichere Klangfarbe.

Klarinettistin Ines Schmitz-Hertzberg
Klarinettistin Ines Schmitz-Hertzberg

Solistin dieses Konzertes ist die Klarinettistin Ines Schmitz- Hertzberg. Bereits mit 8 Jahren erhielt sie ihren ersten Klarinettenunterricht an der Musikschule Wenden, vier Jahre später kam Unterricht im Fach Klavier dazu. Nach mehrfachen Preisen bei „ Jugend musiziert“ und Mitgliedschaft in verschiedenen Jugendorchestern studierte sie an der Musikhochschule Detmold und wirkte während dieser Zeit beim Philharmonischen Orchester Dortmund sowie beim Orchester des Theaters in Münster. Heute unterrichtet sie an den Musikschulen Attendorn- Finnentrop und Olpe in den Fächern Klarinette und Saxophon. Ines Schmitz- Hertzberg wird mit ausgefeilter Technik und langem Atem dem virtuos angelegten Konzert von Mercadante besonderen Glanz verleihen.

Der 2. Teil des Konzertnachmittags beginnt mit der Komposition „ A Moorside Suite for String Orchestra“ von Gustav Holst (1874-1934). Der englische Komponist und hoch verdiente Musikpädagoge machte u.a. das Sammeln und Bewahren altenglischen Liedguts zu einem Schwerpunkt seines Schaffens.

Die „ Moorside-Suite“ zeichnet sich durch eine stark akzentuierende Rhythmik, durch ein Wechselspiel zwischen Solo- und Tutti-Passagen sowie fast überganglose Themenwechsel mit Anklängen an altenglische Weisen in den beiden Ecksätzen aus. Das darin eingeschlossene Adagio verströmt besinnliche Ruhe bei wechselnder Spieltechnik (arco/pizzicato), welche den Titel „Nocturne“ unterstreicht, ein stimmungsvolles „ Nachtstück“ eben.

Ein eindrucksvoller Stimmungsumschwung vollzieht sich, wenn nach Holts quirliger Suite „ 2 elegische Melodien für Streichorchester op.34“ von Edward Grieg (1834-1907) erklingen. „Herzwunden“ und „Letzter Frühling“ bilden hier einen emotionalen Höhepunkt im Programm. Grieg, ein von großen Meistern wie Liszt, Schumann oder R. Nordraak beeinflusster Musiker, gilt seit seiner Hinwendung zum eigenen volksliedhaften Stil als Begründer der „ nordischen Schule“.

Der Konzertnachmittag klingt aus mit der weitgehend unbekannten, dafür aber sehr heiteren „Sinfonia D-Dur“ des Prager Komponisten Josef Myslivecek (1737-1781). Schon seine ersten Sinfonien wurden vom Prager Publikum begeistert aufgenommen. Nur wenig später gelang ihm mit seinen ersten Opern in Venedig auf Anhieb ein Riesenerfolg. Auch der 14-jährige Mozart, dem Myslivecek in Bologna begegnete, war begeistert von der Musik des böhmischen Meisters.

Es lohnt sich gewiss, dieses Konzert zu besuchen. Der Zuhörer darf gespannt sein, in welchem Maße das im letzten Jahrzehnt so erfolgreiche Kammerorchester Attendorn diesmal mit dem musikalisch höchst anspruchsvollen Programm seinem guten Ruf gerecht wird.

Karten für das Konzert sind an der Tageskasse erhältlich, Vorbestellungen unter 02722/53344 möglich.

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