Friedensweg 2011 Attendorn
Über 130 Menschen nahmen am diesjährigen Friedensweg teil.

Als sich im Oktober 2001 der erste Friedensweg in Attendorn auf den Weg durch die Innenstadt machte, war es nur ein kleines Häuflein Interessierter, die dem Aufruf des Franziskuskreises der Hansestadt gefolgt waren. Dabei war bei den Planungen im Sommer noch gar nicht abzusehen, was der Anschlag des 11. September für die Welt bedeuten würde. Er tauchte das Vorhaben plötzlich in ein völlig neues Licht. Umso intensiver gestaltete sich dann der Austausch; die Begegnung setzte ein starkes Zeichen gegen religiösen Fanatismus und für den Frieden.

Seither findet in Attendorn regelmäßig im Herbst der Friedensweg statt. Er hat sich bewährt als Forum der Begegnung und des Dialogs.

Und so konnte Angela Selter für die Veranstalter beim diesjährigen – 10. – Friedensweg am letzten Tag im September weit über 130 Mitglieder der evangelischen, der katholischen und der moslemischen Gemeinde auf dem Alter Markt inmitten der alten Hansestadt begrüßen, wo man gemeinsam zum Auftakt rund um den dort aufgestellten Friedenspfahl eine Lichterkette begründete, und den Anwesenden noch einmal deutlich gemacht wurde, was der Sinn des Friedensweges ist: Eine Möglichkeit zum Dialog; denn der Dialog mit den Menschen anderer Glaubensüberzeugungen diene stets auch der vertieften Auseinandersetzung mit den Fragen des eigenen Glaubens und des menschlichen Zusammenlebens. Er sei somit gleichzeitig identitätsstiftend und verbindend. Der Friedensweg soll aber auch ein Zeichen sein: „Gemeinsam Schritte der Friedens gehen, ein Licht entzünden, den Funken weitergeben, ein Zeichen setzen für ein Klima des Vertrauens und des gegenseitigen Respekts in unserer Stadt und darüber hinaus“, so Angela Selter.

Anschließend machte sich die Gruppe auf zur Gedenktafel für die jüdischen Mitbürger der Stadt, wo Hartmut Hosenfeld, ein exzellenter Kenner der jüdischen Geschichte der Hansestadt, daran erinnerte, dass es nach der Nazizeit eben keine jüdische Gemeinde mehr in der Hansestadt gibt. Er schilderte auch den Lebensweg von Gabriel Stern, der als letzter jüdischer Junge am hiesigen Gymnasium sein Abitur machte, dann aber wegen der Verfolgung erst in Holland studieren konnte. Stern wurde später neben Martin Buber mit einer der Gründerväter des Staates Israel.

Nach dem gemeinsamen Lied: „Frieden auf Erden“ zogen die Teilnehmer weiter in die evangelische Erlöserkirche, wo Konfirmandinnen eine Erzählung über die Schrecken des Krieges zu Gehör brachten, und eine Friedensgebet gesprochen wurde, bevor man sich gemeinsam zur Moschee am Ostwall aufmachte . Dort nahm die Gruppe am Abendgebet teil. In der katholischen Pfarrkirche endete der Friedensweg 2011 mit einer kurzen Andacht, bevor sich im dortigen Pfarrheim die Gelegenheit ergab, in zahlreichen Gesprächen über die Religionsgrenzen hinweg bei einem Imbiss das gerade Erfahrene zu diskutieren und zu vertiefen.

Die diesjährigen Stationen des Friedensweges, an dem neben den Geistlichen der drei Religionsgemeinschaften auch Bürgermeister Wolfgang Hillecke teilnahm, standen auch stellvertretend für die drei abrahamitischen Religionen: Christentum, Judentum und Islam. Neben ihren gemeinsamen Wurzeln verbinden diese drei Religionen wichtige Werte, darunter auch die Nächstenliebe und den Frieden.
Mit diesem Friedensweg wollen die Veranstalter einen Kontrapunkt setzen gegen die Kräfte und Strömungen, die die Religion in ihrem Kern verkennen und den Frieden in der Welt bedrohen.

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