Schriftkunst Ausstellung in der Attendorner Rathausgalerie mit Werken des Kirchenmalers Rolf Frank Römhild

Rolf Frank Römhild bei der Ausmalung des Gewölbes der Attendorner Pfarrkirche im November 2001.

Vor genau zehn Jahren wurde der „Sauerländer Dom“ in Attendorn nach umfassenden Restaurierungsarbeiten im Rahmen eines feierlichen Pontifikalamtes mit Kardinal Degenhardt wiedereröffnet. Ein wesentlicher Punkt der Restaurierung war die künstlerische Neugestaltung durch den Kirchenmaler Rolf Frank Römhild. Die Pfarrei Attendorn nimmt dies zum Anlass, eine umfassende Ausstellung mit Werken Römhilds in der Attendorner Rathausgalerie zu präsentieren.

Die Eröffnung der Ausstellung findet statt am kommenden Sonntag, 18. September, um 11.30 Uhr in der Rathausgalerie (Eingang Klosterplatz). Zu diesem Anlass musizieren die Sängerin Christina Heuel (Studentin im Fach Oper) und der Attendorner Kirchenmusiker Josef Weber.

Der Titel der Ausstellung „Appassionato“ kommt aus dem Italienischen und heißt nichts anderes als leidenschaftlich oder begeistert.

Und genau das sieht man, betrachtet man die Werke Römhilds, auf den ersten Blick: Begeisterung für die unterschiedlichsten Gestaltungen von Schrift, für die Kunst des Schönschreibens, für die Kalligraphie. Der zuletzt genannte Begriff kennzeichnet, aus dem Griechischen kommend, die Kunst des Schönschreibens von Hand, mit Federkiel, Pinsel, Tinte oder anderen Schreibutensilien, und eröffnet uns gleichzeitig eine unglaublich reiche Geschichte, deren Höhepunkte innerhalb der abendländischen Kultur mit den Begriffen Vergilius Vaticanus, Book of Kells, Lorscher Evangeliar, Reichenau, Aachen, St. Gallen, Stundenbücher oder Missalien ihren Gang durch die Geschichte nehmen.

Aus dieser Tradition heraus hat Römhild zahlreiche Arbeiten geschaffen, die diese uralten Traditionen europäischer Buchmalerei aufgegriffen haben. Hierzu gehören zum Beispiel die 1993 geschaffene Reproduktion einer Seite aus dem Festmissale Papst Alexanders VI., wobei die Ausführung auf Ziegenpergament erfolgte und die Farben nach historischen Rezepturen angerührt wurden. Auftraggeber war der weltberühmte Faksimileverlag in Luzern.

Auch die Reproduktion einer Seite aus dem Turin-Mailänder Stundenbuch, dessen Original Jan van Eyck um 1500 gemalt hatte, gehört zu diesen wichtigen Werken Römhilds.

Rolf Frank Römhild wurde 1966 in Olpe geboren. Nach seiner Lehrzeit beim Kirchenmalermeister und Restaurator Hans-Werner Rademacher in Olpe kamen Wanderschaften in ganz Europa hinzu. Nach Ablegen der Meisterprüfung 1993 und dem Abschluss als geprüfter Restaurator und einem Bundesstipendium für Begabtenförderung von Handwerksmeistern in Italien kehrte er mit dem Titel „Maestro“ zurück. In den Jahren 1996 – 2001 hatte Rolf Römhild  einen Lehrauftrag für abendländische Schriftgestaltung am Deutschen Zentrum für Handwerk und Denkmalpflege in Fulda, er war Kuratoriumsmitglied der Internationalen Gesellschaft zur Förderung der Literatur- und Schriftkunst e.V. in Köln und seit 1997 Mitglied der Schreibwerkstadt Klingspor, Gründungsmitglied der Internationalen Kalligraphie-Gilde Südwest e.V. in Neuhofen in der Pfalz, 1. Preisträger eines internationalen Kalligraphie-Wettbewerbs mit Arbeitserlaubnis in der Stiftsbibliothek St. Gallen /Schweiz und vieles, vieles mehr. 2001 übernahm er den Olper Fachbetrieb seines früheren Lehrherrn Hans-Werner Rademacher. Kurz darauf übernahm er die Neuausmalung des Sauerländer Domes in Attendorn, die weit über die Grenzen Westfalens hinaus bis heute in der Fachwelt für Furore sorgte.

Schon lange beschränkt sich die Arbeit Römhilds nicht mehr ausschließlich auf die Reproduktion historischer Vorlagen; er setzt eigene Motive um, wobei die Kombination von historischen Vorlagen mit eigenen Schriften, oder die Verbindung von Bildern und Schriften zu seinem eigenen Stil führten. Bekannt sind sein Sonnengesang von 1995 und dessen moderne Weiterentwicklung in den Jahren 2002 und 2003, oder das auf Kalbspergament geschriebene Vater unser von 1996 und dessen in Ölper Platt gestaltete Fassung von 2010, oder die Umsetzung des vierten Streiches der Max-und-Moritz-Geschichte von Wilhelm Busch mit einer Übersetzung des Textes in den Schrift- und Sprachgebrauch des 13. Jahrhunderts. Schließlich muss noch die Gestaltung des Kolping-Evangeliars erwähnt werden, in dem sich 291 Kolpingsfamilien der Erzdiözese Paderborn verewigten und in dem Römhild 2 Seiten für die Kolpingsfamilie Olpe schuf.

Rolf Römhild selbst sieht sein Fundament in den Texten der im 1. Buch Mose aufgezeichneten Schöpfungsgeschichte, wo es zusammengefasst heißt: Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke …Er schuf das Meer, das Land mit den Pflanzen, den Tieren, die Menschen, den Tag und die Nacht. Rolf Römhild hat diesen Text immer wieder hinterfragt, wobei er als Ergebnis seiner Überlegungen die Vielfalt der Schöpfung mit der Vielfalt an Farben gleichsetzte. 2001 zitierte er in den Vorüberlegungen zur Gestaltung des Sauerländer Domes den frühromantischen Dichter Novalis alias Friedrich Freiherr von Hardenberg, der hierzu treffend schrieb:

„Vielleicht mag es wahr sein, dass erst eine geschickte Verteilung von Licht, Farbe und Schatten die verborgene Herrlichkeit der sichtbaren Welt offenbart und sich hier eine neue, höhere Schau auftut.“

Rolf Römhild führte diese Gedanken fort und sagte vor 10 Jahren: „In meinen künstlerischen Arbeiten habe ich stets versucht, diese Licht durchflutete Farbigkeit der Schöpfung wiederzugeben. Dabei verstehe ich das als eine Aufgabe und sehe meine Arbeit nicht als Kunst an, bestenfalls als Kunsthandwerk. Es ist mir daher ein Bedürfnis, den großen Renaissance-Maler Albrecht Dürer zu nennen, welcher einmal gesagt haben soll: Jeder Handwerker gleicht ein wenig dem großen Schöpfer der Welt, wenn er aus der rohen Masse ein Ding schafft, was vorher nicht da war und dann den Menschen dient.“

Die Ausstellung in der Rathausgalerie kann bis zum 14. Oktober täglich während der Öffnungszeiten der Stadtverwaltung besichtigt werden.

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