Dominik Ivo - Radprofi
Dominik Ivo

Im Gespräch: Dominik Ivo, Radprofi aus Grevenbrück mit Attendorner Wurzeln, über die Faszination Radsport, das erste Fahrrad und den Keller von Manfred Hennes

Seit dem Jahr 2008 ist der 23-jährige Dominik Ivo als Radprofi unterwegs. So auch beim 14. Sparkassen-Giro am vergangenen Wochenende in Bochum, wo der Grevenbrücker bei der Vorstellung des Fahrerfeldes (unter anderem mit den Tour de France-Teilnehmern Christian Knees, Gerald Ciolek, Grischa Niermann und Linus Gerdemann) als „echter Attendorner Junge“ den zehntausenden von Zuschauern am Streckenrand vorgestellt wurde. Attendorner Junge stimmt, denn Dominik Ivo stammt zwar aus Lennestadt, aber seine sportlichen Wurzeln liegen in der renommierten Radsportabteilung des TV Attendorn. Nach dem Sparkassen-Giro stellte sich Dominik den Fragen von Tom Kleine.

Bei den vielen Rennen als Profi im In- und Ausland ist Bochum ja fast ein Heimspiel für Dich. Wie lief das Rennen aus Deiner Sicht?
Das Rennen verlief nicht nach meinen Vorstellungen. Nachdem die Rennen in den letzten Wochen gut verliefen, hatte ich am Sonntag ein ganz schlechtes Bein. Zusätzlich war ich gesundheitlich nicht bei 100%, so dass ich das Rennen nach 140 Kilometern beenden musste. Das hatte ich mir schon anders vorgestellt.

Was sagst Du zur Stimmung im Ruhrgebiet? Bekommt man als Fahrer da überhaupt etwas mit?
Für mich war es der erste Auftritt in Bochum und die Stimmung war prächtig. Besonders an den Anstiegen und im Start- und Zielbereich waren jede Menge Zuschauer, die konnte man gar nicht überhören.

Was ist das für ein Gefühl, am Start neben einigen Fahrern zu stehen, die noch vor einer Woche in Paris die Tour de France zu Ende gefahren haben?
Auch wenn ich es dieses Jahr schon einige Male erleben durfte, ist es nach wie vor etwas Besonderes. Während der Tour de France habe ich die Etappen täglich im TV verfolgt und vor allem die deutschen Fahrer angefeuert ;-). Nun hatte ich endlich wieder die Möglichkeit, selbst gegen die Jungs zu fahren, auch wenn sie aus Frankreich sicherlich etwas Trainingsvorsprung mitgebracht haben!

Wie groß ist Dein Traum, selbst einmal die „Große Schleife“ durch Frankreich zu fahren? Und wie weit ist der Weg dorthin?
Das muss Ziel und Traum eines jeden Radrenners sein. Denn für solche Träume betreibt man den ganzen Aufwand ja schließlich. Jedoch schaffen es selbst die wenigsten Profis, dort einmal an den Start zu gehen. Ich würde nicht Nein sagen wenn mich jemand fragt, aber der Weg dahin ist noch sehr weit. Ich denke, zu weit. Aber wie gesagt, Träumen ist ja erlaubt…

Wie fällt Deine bisherige Saisonbilanz aus?
Durchwachsen. Besonders der Start in Südafrika verlief recht holprig. Ich hatte zwischenzeitlich immer wieder mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, mit denen ich nicht gerechnet hatte. Allerdings konnte ich auch einige Male zeigen, dass ich mich sportlich weiterentwickelt habe. Oftmals muss ich mich jedoch in den Dienst der Mannschaft stellen, so dass sich dies nicht immer in den eigenen Ergebnissen widerspiegelt.

Du bist seit 2008 Profi. Zunächst beim „Team Vlassenroot“, seit diesem Jahr bei „TT Raiko Argon 18“. Welchen Status hat Dein jetziges Team im Profibereich?
Wir sind ein Continental Team, vergleichbar mit der 3. Liga im Fußball. Das ist die unterste Profikategorie. Dort gibt es eine Vielzahl von Fahrern, die den Sport hauptberuflich betreiben. Bei mir im Team ist dies jedoch anders. Wir machen alle noch etwas nebenbei, da wir ein neues und noch recht kleines Team sind. Augenblicklich gibt es noch 5 – 6 Teams in Deutschland die stärker sind. Das soll sich aber in den nächsten Jahren ändern. Dann soll es für die Mannschaft und hoffentlich auch mich noch ein Stück weiter nach oben gehen.

Seit wann betreibst Du Rennrad-Sport?
Ich fahre seit 1998 Radrennen. Zunächst habe ich nebenher noch Fußball gespielt, irgendwann musste ich mich jedoch entscheiden. Meine Entscheidung habe ich dann für den Radsport getroffen und es bis heute auch nur selten bereut.

„Zu Beginn kam es ab und an vor, dass mein Vater mich nach Hause schieben musste…“

Kannst Du Dich an Deine ersten Versuche auf dem Rad im heimischen Grevenbrück erinnern? Und an die Farbe Deines ersten Fahrrads?
Mein erstes Rennrad war glaube ich ein rotes Enik aus Wenden. Daran kann ich mich noch recht gut erinnern. Die ersten Versuche verdränge ich hingegen ganz gerne. Zu Beginn kam es ab und an vor, dass mein Vater mich nach Hause schieben musste, weil ich nicht mehr konnte. Dann stand ich heulend am Straßenrand und wollte nicht mehr weiter. Heute sieht das eher umgekehrt aus…;-)

Ab wann und wie lange bist Du für den TV Attendorn gefahren?
Von 1998 bis 2006 bin ich durchweg im Trikot des TVA gefahren. Dann 2009 und 2010 teilweise noch bei Meisterschaften. Aktuell fahre ich immer noch sehr gern im schönen Magenta-Trikot (Die Trikots des TV Attendorn, Anm. des Red.), allerdings nur noch im Training!

Zur Grundausbildung eines TVA-Radsportlers gehört der Besuch im Keller von TV-„Legende“ Manfred Hennes in der Breslauer Straße. Wann warst Du da das erste Mal?
Daran kann ich mich nicht mehr genau erinnern, es ist schon zu lange her. Da wir eine gute Werkstatt zu Hause haben und mein Vater handwerklich begabt ist, haben wir auch fast alles zu Hause erledigt. Aber vielleicht liest Manfred ja dieses Interview und hilft mir mit einem „Kellerbesuch“ meine Gedanken aufzufrischen…

Hast Du noch Kontakt zum TV Attendorn?
Ja, besonders zu meinem früheren Trainer und heutigem Freund Walter Gander und natürlich zu Manfred Hennes. Letzte Woche saßen wir das letzte Mal zusammen in der Breslauer Straße und haben über die Geschehnisse der Tour de France philosophiert.

Welches ist Deine Lieblings-Trainingsstrecke in und um Attendorn?
Am liebsten fahre ich in Richtung Biggesee, somit zieht es mich meist zunächst Richtung Attendorn. Je nach Tourenlänge geht’s dann aber auch gern noch eine ganze Ecke weiter raus, unter anderem ins Bergische Land.

„Charakter, Wille und viel Selbstdisziplin!“

Bochum hat eindrucksvoll gezeigt, dass der Radsport ein faszinierender Sport ist. Was gibst Du jungen Menschen mit auf den Weg, die sich für das Rennrad und gegen den Fußball entscheiden?
Leider ist es schwer, beide Sportarten parallel auszuüben. Wer sich fürs Rennrad entscheidet, muss einen starken Charakter, Willen und viel Selbstdisziplin haben, um in dem Sport nach oben zu kommen. Es ist nicht immer leicht, bei Wind und Wetter stundenlang zu trainieren. Aber es gibt Momente, die einen dafür um vielfaches entschädigen. Sei es nur ein Training bei super Wetter und wunderbarer Natur oder aber das Gefühl, als Erster die Ziellinie überquert zu haben und von allen bejubelt zu werden. Bei allem muss die Leidenschaft für den Fußball ja nicht abhanden kommen. Ich bin nämlich seit meiner Kindheit auch ein sehr großer BVB-Fan!

Hat der Radsport nach all den Doping-Affären in den letzten Jahren eine „saubere“ Zukunft?
Ganz sauber wird der Sport nie werden, egal ob Radsport oder ein anderer Sport. Doping ist ein gesellschaftliches Problem. Und überall, wo es um viel Geld geht, wird betrogen. Die Krise hat sich der Sport teilweise selbst zuzuschreiben. Es liegt an den Profis, dies in Zukunft besser zu machen. Ich denke, der eingeschlagene Weg ist der richtige. Problematisch ist es, dass es diese Diskussion leider nur in Deutschland so gibt. Ich hoffe nur, dass sich die Medien und die Gesellschaft dem Sport in Zukunft wieder vermehrt zuwenden. Denn wer die Bilder der Tour der France verfolgt hat, der hat gesehen, was diesen Sport einzigartig und faszinierend macht.

Letzte Frage: Dein Lieblingsplatz in Attendorn ist….?
Die Waldenburger Bucht. Da trifft sich der TV Attendorn oft zum Training und daran verbinde ich viele Erinnerungen. Dazu kommt der fantastische Blick über den Biggesee und das Sauerland.

Danke für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg im Profibereich!

Fotos: Susanne Filthaut

Dominik Ivo im Team
Dominik Ivo (3. von links) mit seinen Teamkollegen vom Rennstall „TT Raiko Argon 18“

Im Netz:
Die Radsportabteilung des TV Attendorn:  www.radsport-tva.de
„TT Raiko Argon 18“: www.tt-raiko-argon18.de


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