„Wenn mein Chemielehrer einen solchen Unterricht gemacht hätte, dann wäre bei mir auch viel mehr von diesem fach hängen geblieben“, erklärte Ulrich Lingemann nach einer außergewöhnlichen Chemie-Doppelstunde für die Senioren-Union der Hansestadt. Am vergangenen Donnerstag hatte es 45 Mitglieder in die Universitätsstadt gezogen, um gemeinsam das Justus-Liebig-Museum zu besuchen. Dass dieser Besuch in einer Chemie-Doppelstunde mündete, die wohl so schnell niemand der Anwesenden vergessen wird, konnte da noch niemand ahnen.

Seniorenunion Attendorn: Gießen- Saalburg
Die Attendorner Senioren wurden in die Geheimnisse der Justus-Liebig-Chemie eingeweiht.

Doch Museumsführer Theophel, gekleidet im Stil der Zeit aus der er berichtete, hielt sich nicht lange mit einer Führung auf, sondern nahm die Gruppe mit in den ersten Hörsaal Liebigs um dort über das Leben und die Leistungen Justus Liebigs begeistert und begeisternd zu erzählen. Dabei versäumte er es nicht, anhand zahlreicher chemischer Versuche Art und Weise der Ende des 19. Jahrhunderts üblichen Vorlesungen und Arbeiten von Professoren und Studenten anschaulich darzustellen.

So gelang es Theophel schnell seine Zuhörerinnen und Zuhörer in die Zeit der Gaukler und Alchemisten zu versetzen, die mit allerhand chemischen Mätzchen ihrer Zuschauer auf den Jahrmärkten faszinierten und somit zum Kauf von Wertlosem animierten. Liebig, der sich davon magisch angezogen fühlte, erlebte so die Chemie in den Kinderjahren, die ihn nicht mehr los lassen sollte.

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Die Attendorner Senioren wurden von Museumsführer Theophel (links) in die Geheimnisse der Justus-Liebig-Chemie eingeweiht.

Obwohl er nie das Abitur gemacht hat, wurde er schon mit 21 Jahren Professor für Chemie in Gießen durch den Landesherrn von Hessen Darmstadt, bevor er später nach München ging.

In Gießen „erfand“ er zum Beispiel „Liebigs Fleischextrakt“, der auch heute noch Grundlage einer schmackhaften kräftigen Fleischbrühe darstellt, oder den Kunstdünger, der ebenfalls heute noch auf der ganzen Welt angewandt wird, aber auch die bis heute in allen möglichen Varianten (Fußballbilder) angebotenen Sammelbildchen nebst dem dazu gehörenden Sammelalbum.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen begab sich die Gruppe noch weiter in die Historie zurück und besichtigte das Römerkastell Saalburg, an der damaligen Grenze des Römischen Reiches und Germaniens, dem Limes, gelegen. In diesem weltweit einzigen wieder aufgebauten Römerkastell und den archäologischen Museum konnten sich die Attendorner in einer ansprechenden Führung einen anschauliches und lebendiges Bild von Geschichte, Kultur und Lebensart einer Epoche machen, die inzwischen nahezu 2000 Jahre zurückliegt, deren Erbe aber heute noch gegenwärtig ist. So erfuhren sie, dass im Kastell rund 600 Fußsoldaten und Reiter stationiert gewesen waren. Vor dem Haupttor der Wehrmauer lagen ein Badegebäude und ein Gästehaus. Ein Dorf mit Handwerker-, Händler- und Wirtshäusern schloss sich an.

Mit einem Kurzabstecher zum Kloster Schiffenberg endete dieser für alle Mitgefahrenen sehr ereignisreiche Besuchstag.

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Im Fahnensaal der Saalburg erklärte die Museumsführern (links) ihre Besucher zu römischen Göttinnen und Göttern und erklärte ihnen, was sie als eben diese zu tun gehabt hätten.

Fotos: Dieter Dingerkus

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