Dass sie wusste, wovon sie spracht, das war den anwesenden Eltern in der Aula der Sonnenschule schon nach den ersten Worten klar: Barbara Eßing-Sieler, Kriminalhauptkommissarin und Opferschutzbeauftragte bei der Kreispolizeibehörde Olpe, bearbeitet seit Jahren sämtliche Sexualdelikte im Kreisgebiet. Rund 50 Eltern – größtenteils Mütter – waren der Einladung der Schulleitung gefolgt, um zu erfahren, wie man mit dem Problem des sexuellen Missbrauchs von Kindern umgeht. Schließlich gibt es bundesweit circa 14.000 gemeldete Fälle, wovon etwa 2.600 in NRW und 20 Fälle jährlich bearbeitet werden.

Vortrag: Sexueller Missbrauch - Kreispolizeibehörde Olpe
Über 50 Eltern aus der Hansestadt holten sich Informationen, um dem sexuellen Missbrauch an ihren Kindern vorzubeugen.

Die Hauptkommissarin ging zunächst auf die Tätergruppe ein und erläuterte, dass diese durch Ausnutzung des Vertrauens des Kindes diesen Missbrauch bewirkten, denn in 85% der Fälle sei der Täter, die zu 95 % männlich seien, dem Kind bekannt, wobei der größte Teil der Kinder zwischen 8 und 12 Jahre alt und weiblich sei.

Barbara Eßing-Sieler machte deutlich, dass die Täter in der Regel nicht spontan, sondern planmäßig vorgingen. Sie suchten sich Kinder aus, die Vertrauen zum Täter hätten, die leicht zu manipulieren seien, die wenig Selbstvertrauen und niemanden hätten und ganz wichtig, die sie nicht verraten würden.

Dabei erreiche es der Täter fast immer, das Kind in die Entscheidung, ob sexueller Missbrauch stattfinde, in perfider Weise einzubinden. So fühle sich das Opfer immer mitschuldig. Und das erschwere die Möglichkeit, sich anderen Personen (Eltern oder Lehrer) zu offenbaren.

Wie auch die Erwachsenen habe das Kind ein Recht auf Selbstbestimmung über seinen Körper. Und deshalb sollten Eltern ihren Kindern das auch von Anfang an klar machen. Man solle mit ihm darüber sprechen, dass es Menschen gäbe, die sie an Stellen streicheln wollten, die seine Privatsache seien. Das Kind müsse in diesem Fall klar sagen können: „Lass mich in Ruhe! Ich will nicht, dass du mich begrapscht!“

Bei diesen Gesprächen sollten die Eltern aber sachlich und undramatisch bleiben, denn nur so werde das Kind nicht geängstigt.

Da Kinder ein Gefühl für gute und schlechte Berührungen hätten, so die Hauptkommissarin, sollten ihm diese Gefühle nicht ausgeredet werden. Da Täter häufig Geheimhaltung forderten, sollte den Kindern klar gemacht werden, dass Geheimnisse, die belasten, weiter erzählt werden dürften.

Kreispoizeibehörde Olpe - Hauptkommissarin Barbara Eßing-Sieler
Hauptkommissarin Barbara Eßing-Sieler gab den Eltern Tipps zur Vorbeugung vor sexuellem Missbrauch von Kindern.

Der beste Schutz aber sei die Selbstsicherheit des Kindes. Die zu stärken sei Aufgabe der Eltern und könne mit kleinen Aufgaben gelernt und verfestigt werden. So sei es sehr hilfreich, wenn zum Beispiel das Kind lerne, im Restaurant sich sein Essen selbst zu bestellen, oder dem Friseur selbst erkläre, wie es die Haare geschnitten bekommen wolle. „Trauen Sie Ihrem Kind was zu und unterstützen Sie es dabei“, rief die Referentin die Eltern auf.

Wenn jedoch der Ernstfall einmal eingetreten sei und das Kind sich anvertraue, dann sei es das Wichtigste, dem Kind zu glauben und ihm das auch klar zu sagen. Außerdem solle man in diesem Fall nicht in Panik oder vorschnelle Handlungen verfallen. Wichtig sei, sich Hilfe und Beratung zu holen, sei es bei Familienberatungsstellen, bei der Caritas, Jugendamt oder letztendlich bei der Polizei.

Weitere Informationen gebe es auch unter: www.polizei-beratung.de.

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