Das Jahreskonzert des Sinfonischen Blasorchesters des Musikzugs Ennest gehört mittlerweile seit vielen Jahren zu den Höhepunkten im musikalischen Kalender des Kreises Olpe. So entließen auch am vergangenen Samstag die fast 700 Zuschauer in der Stadthalle Attendorn den Musikzug nur schweren Herzens nach zwei Zugaben in den Feierabend.

Sinfonisches Blasorchester des Musikzuges Ennest

Unter der Überschrift „Mediterran“ hatte der Musikzuge in diesem Jahr ein besonders vielseitiges Programm zusammengestellt, wie der 1. Vorsitzende Marc Gajewski betonte, und sich dabei musikalisch durch den gesamten Mittelmeerrraum bewegt. Der erste Teil begann mit dem bekannten italienischen Konzertmarsch Venezia, bevor sich die Ennester Musiker unter der Leitung von Dirigent Ingo Samp an „Olympica“ wagten. Diese Originalkomposition für sinfonisches Blasorchester aus der Kategorie Höchststufe vertont den beeindruckenden Berg der Götter in einem gewaltigen Klanggemälde.

Im Anschluss kamen die Operfans auf ihre Kosten. Die Ouvertüre zur Sizilianischen Vesper von Giuseppe Verdi wurde mit beeindruckender Leichtigkeit dargeboten. Insbesondere das hohe Holz glänzte, mussten sie doch, wie Moderator Georg Elsaeßer bemerkte, die ganze „Arbeit“ mit bewältigen, die in der Originalversion auf Geigen und Bratschen entfällt. Den Schluss- und Höhepunkt setzten die Ennester dann zum Ende des ersten Teils mit Vesuvius, einer gewaltigen Klangdichtung, ebenfalls aus dem Schwierigkeitsgrad Höchststufe, die in dramatischer Weise den Untergang der Stadt Pompeji beim Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 nach Christus vertont. Das Orchester stellte dabei seine ganze Bandbreite zur Schau, von gespannter Ruhe, über tänzerische Dynamik bis hin zum großen, aber nicht übertriebenen Fortissimo.

Im zweite Konzertteil wagte sich Solo-Tubist Daniel Ridder, Mitglied in den Musikvereinen Gerlingen und Ennest und beruflich Tubist beim Musikchor der Bundeswehr in Siegburg, gleich zu Beginn an den Karneval von Venedig. Eigentlich ein höchst virtuoses Trompetensolo von außerordentlicher technischer Schwierigkeit. Dass die Tuba anderen Instrumenten als Solo-Instrument in nichts nachsteht, konnten die Zuschauer hautnah miterleben. Mühelos und mit unglaublicher Leichtigkeit raste der 28jährige Tubist durch schwierigste technische Passagen und wurde von Publikum für seinen perfekten Parforceritt mit frenetischem Applaus belohnt.

Etwas ruhiger ging es im restlichen Konzertteil zu. Der Marche Francaise von Camille Saint-Saens ließ wieder die Herzen der Klassik-Freunde höher schlagen. Die Dramatik und die Sehnsucht jüdischer Flüchtlinge nach dem zweiten Weltkrieg brachten die Ennester Musiker mit der Oscar-prämierten Musik zum Film Exodus ins Gedächtnis zurück und erzeugten damit eine fast bedrückende Stimmung in der Attendorner Stadthalle. Mit Balkan Dream und Barcelona, im Original von Queen-Sänger Freddy Mercury und Opernstar Montserrat Caballé gesungen, lag der Fokus danach jedoch wieder auf populärer Musik. Sie gipfelte in dem bravourösen, schmissigen jüdischen Tanz Bessarabyanke, nach dem die begeisterten Zuschauer die Ennester Musiker noch zu zwei Zugaben klatschten. Einer Aufforderung, der der Musikzug Ennest gerne nachkam.

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