Osterbräuche in Attendorn

Ostern in AttendornAus der Fülle des Jahresbrauchtums in Attendorn ragen die teilweise Jahrhunderte alten Osterbräuche hervor, die sich bis in die heutigen Tage erhalten haben. Mit großer Sorgfalt werden die zahlreichen Details gehegt und gepflegt. Alljährlich kommen viele Besucher und die auswärts wohnenden Attendorner in die Stadt, um mit sinnvollen kirchlichen und weltlichen Bräuchen den Kern des Osterfestes zu feiern:

Die Auferstehung Jesu Christi.

So finden sich die Osterbräuche einerseits im kirchlichen Bereich mit Palmprozession, Stundenblasen, Ratschen, Semmelsegnen, Auferstehungsliturgie, Osterhochamt und Osterabendfeier, andererseits im weltlichen Bereich mit Vorbereitung und Abbrennen der Osterfeuer. Über das Alter der kirchlichen Bräuche in Attendorn gibt es keine präzisen Angaben.

Im weltlichen Bereich sind Feuer zur Frühlingssonnenwende bereits in germanischer Zeit abgebrannt worden. Regelrechte Osterfeuer werden in Attendorn aber erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts schriftlich erwähnt, was aber nicht ausschließt, dass sie weitaus älteren Ursprungs sind. Schon um 1820 wurden die Feuer auf den vier Hügeln vor den ehemaligen Stadttoren abgebrannt. In dieser Zeit zogen die Schulkinder der einzelnen Stadtviertel (Poten) vor Ostern in die Wälder, um das Feuerholz zu sammeln. Dabei passierte es nicht selten, dass auch junge Bäume und Büsche ein Opfer der jugendlichen Sammelleidenschaft wurden. Daher haben sich vor allem in den Akten der Polizeiverwaltung (Stadtarchiv Attendorn) Unterlagen erhalten, die diesen Brauch meistens im Zusammenhang mit Forst und Waldfrevel sehen. Aus diesen Umständen heraus wurde auch das Osterfeuer bis zu Beginn unseres Jahrhunderts regelrecht untersagt, aber doch durchgeführt!

Um 1870 organisierten sich die vier Osterfeuervereinigungen, die auch heute noch bestehen und sich nach den ehemaligen Stadttoren benennen: Ennester-, Kölner-, Niederstes- und Wassertor (oder Plattdeutsch „Pote“). In dieser Zeit vollzog sich auch die Wende vom illegalen zum legalen Abbrennen des Osterfeuers. Seit 1921 stiftet sogar die Stadt Attendorn die vier mächtigen Fichten, die eine Höhe von ca. 30 m haben und als Osterkreuze hergerichtet werden.

Einen vorläufigen Abschluss der Organisationsschwierigkeiten vor dem 2. Weltkrieg erreichten die „Poskebrüder“ im Jahre 1932 mit der Gründung eines Osterfeuervereins e.V. und der gerichtlichen Eintragung der Osterfeuerplätze im Grundbuch.

Holz stellen - Ostern in Attendorn

Holz stellen - Ostern in Attendorn
Holz stellen

Mehrere Wochenenden vor Ostern gehen die vier „Poten“ mit Jung und Alt in die Wälder, um „Holz zu stellen“. Hierbei wird vor allem Laubholz verwendet. Die Äste werden zu „Bürden“ von ca. 1m Länge zusammengelegt und dann mit Draht gebunden. Anschließend werden die Bürden zum Feuerplatz geschafft und zum Trocknen aufgestellt.

 

Ostersamstag

Ratsche - Ostern in Attendorn
Ratsche

Wenn am Gründonnerstag während des Abendgottesdienstes Orgel und Glocken verstummen, beginnt das Osterbrauchtum in Attendorn. So werden am Karfreitag und Karsamstag „die Stunden geblasen“. Dabei sind vom Kirchturm der Pfarrkirche zwei lang anhaltende Töne zu hören, die im Oktav-intervall auf einem alten Nachtwächterhorn in alle vier Himmelsrichtungen geblasen werden. Gleichzeitig ziehen Messdiener mit sogenannten Ratschen, die ein weit hörbares Geräusch verursachen, um die Kirche. Ebenso laufen in der Karwoche die Vorbereitungen zur Herstellung der Ostersemmel auf Hochturen.

Semmelsegnen - Ostern in Attendorn
Semmelsegnen

Der „Ostersemmel“, dessen Teig mit Kümmel durchsetzt ist, hat an den beiden Enden je einen Einschnitt, so dass sich zwei „Hörner“ bilden. Die Form erinnert an die Schwanzflosse eines Fisches, das Erkennungszeichen der Frühchristen. Die Semmel werden am Karsamstag um 14 Uhr an der Nordseite der Pfarrkirche gesegnet. Seit dem Jahre 1658 ist dieser Brauch nachweisbar und hat sich, in der Tradition der mittelalterlichen Brotsegnung stehend, in Attendorn erhalten. Der Semmel wird traditionsgemäß mit Butter und Knochenschinken gegessen.

 

Ostersonntag

kreuzaufstellen - ostern in attendornAufstellen des Kreuzes

Bevor das Osterkreuz am Ostersonntag aufgerichtet wird, muss es mit Langstroh umwickelt werden, was eine besondere Fertigkeit voraussetzt.

Anstecken des Kreuzes

Während des Osterfeuers schwenken etliche Kinder und Jugendliche ihre Holzfackeln. Eine solche Fackel besteht aus einem geraden Holzpfahl, der in der Längsrichtung mehrfach gespalten („geburkt“) ist. Die Fackel verjüngt sich konisch im unteren Teil und endet in einem kugelartigen Griff. Die getrockneten Fackeln werden mit zwei Händen um den Kopf geschwungen, so dass sie kreisförmige Feuerringe beschreiben.

Fackel-schwenken - Ostern-in-AttendornAbbrennen der Kreuze - Ostern in AttendornDie vier Osterkreuze werden mit dem Feuer der Osterkerze am Ostersonntag um 21 Uhr angezündet. Das Zeichen zum Anzünden der Feuer wird von der Pfarrkirche aus gegeben, indem das Kirchturmkreuz elektrisch beleuchtet wird und das Geläut aller acht Glocken ertönt. Ein schlecht brennendes Osterfeuer wird „Dümmelfeuer“ genannt und gibt Anlass zu heftigen Diskussionen bei den Kindern.

Ungefähr eine halbe Stunde nach dem Anbrennen der Osterfeuer ziehen von den ehemaligen Stadttoren (Poten) vier Prozessionen durch die mit Kerzen geschmückten Hauptstraßen zur Kirche. Dabei sind die uralten eisernen Prozessionslaternen („Lüchten“) hervorzuheben, deren Verglasungen aus Ostermotiven bestehen. Auf dem gesamten Weg wird von den Prozessionsteilnehmern immer wieder das Lied „Das Grab ist leer, der Held erwacht, der Heiland ist erstanden“ gesungen.

Lüchten - Ostern in AttendornDen Abschluss der Ostertage in Attendorn bildet die feierliche Osterabendandacht im „Sauerländer Dom“, wobei die vier „Lüchten“ wie die Osterfeuer als Zeichen des Sieges über Leben und Tod, als Symbol des Sieges vom Licht über die Dunkelheit, zu verstehen sind..

Film über das Osterbrauchtum 2015 (Autor: Flycam-Sauerland)

Kontakt

  • 1. Vorsitzender Osterfeuerverein Attendorn e.V.:
    Pfarrer Andreas Neuser · Am Kirchplatz 4 · 57439 Attendorn
    Tel.: 02722/635 1160
    E-Mail: neuser@pastoralverbund-attendorn.de
  • 2. Vorsitzender Osterfeuerverein Attendorn e.V.:
    Olaf Homberg · Johann-Metz-Str. 5 · 57439 Attendorn
    Tel.: 02722/4522 · Mobil: 0151 1249 1947
    E-Mail: olaf.homberg@web.de
  • Geschäftsführer:
    Dieter Hundt · Ewiger Str. 10 · 57439 Attendorn
    Tel.: 02722/70427
    E-Mail: dieterhundt@web.de

Die Osterfeuervereine:

Ablauf an den Osterfeiertagen:

An den fünf Samstagen vor Ostern:

  • 13:00 Uhr Treffen in den Poten zum Holzstellen

Karfreitag:

  • 11.00 Uhr Aussuchen der Osterkreuze im Stadtwald

Karsamstag:

  • 14:00 Uhr Semmelsegnen an der Nordseite des Sauerländer Domes
  • 15.00 Uhr Schlagen der Osterkreuze im Stadtwald
  • ca. 17:30 Uhr Vermessen der Kreuze mit Ansprache am Alter Markt
  • 21:00 Uhr Feier der Osternacht – St. Johannes Baptist Attendorn

Ostersonntag:

  • 10.30 Uhr Osterhochamt im Sauerländer Dom
  • 13:00 Uhr Aufrichten der Kreuze
  • 21:00 Uhr Abbrennen der Osterfeuer auf den „4 Köppe“ in Attendorn
  • 21.20 Uhr Prozessionen mit „Lüchten“ aus den Poten zur Osterabendandacht in die Pfarrkirche
  • Anschließend Singen des MGV Cäcilia 1879 e.V. Attendorn am Pfarrhaus

 

Bilder – Ostern in Attendorn:

Bilder: Ostern in Attendorn - Holz stellen
Bilder: Ostern in Attendorn - Kreuze aufstellen
Bilder: Ostern in Attendorn 2008
  • Das online Stadtmagazin „Attendorner Geschichten“ ist ebenso wie das Hochglanzmagazin für die Sauerländer Lebensart „WOLL – Rund um Biggesee u. Listersee“ aus dem Hause FREY PRINT + MEDIA GMBH – der Druckerei und dem Medienhaus vor Ort in Attendorn.