Ein Stück Zeitgeschichte der Stadt Attendorn zeigt seit dem heutigen Samstagmittag der Verein für Orts- und Heimatkunde mit seiner Ausstellung „Attendorn, 28. März 1954 – Bilder einer zerstörten Stadt“ im Seniorenhaus St. Liborius. Anhand von 60 großformatigen Fotos wird noch einmal das „Ergebnis“ des Bombenangriffs vom 28. März 1945 dargestellt.

"Ausstellungseroeffnung 28. März 1945 – Bilder einer zerstörten Stadt" St. Liborius 2010
Der 1. Vorsitzende des Vereins für Orts- und Heimatkunde, Reinhard König (links), überreicht dem 1. Bürger der Stadt, Wolfgang Hilleke, das 1. Exemplar des Ausstellungskataloges

Bürgermeister Wolfgang Hilleke, der die Ausstellung eröffnete, erinnerte an den Befehl der alliierten Bomber, die Bahnstrecke zwischen Olpe und Attendorn zu zerstören, da sie als Nachschublinie galt. Die beiden Städte galten dabei nicht als Ziele. Doch es sei anders gekommen. Da Olpe wegen einer Wolkendecke für die Piloten nicht sichtbar gewesen sei, hätten sich 22 Flugzeuge für das Ausweichziel Attendorn entschieden. Zwar sei in der Stadt 10 Minuten vor dem Eintreffen des Bomberverbandes Luftalarm ausgelöst worden, da sich aber die Luftalarme in diesen Tagen gehäuft hätten, die feindlichen Bomberverbände jedoch bisher immer ohne Angriff vorüber gezogen seien, glaubten auch an diesem Mittwoch der Karwoche 1945 viele Menschen immer noch nicht an den Ernst der Lage.

Für die Bewohner der Stadt seien die Folgen dieses Bombenangriffs grausam und verheerend gewesen. Hilleke zitierte einen Zeitzeugen, der die Toten, die zerstörten und brennenden Häuser bei einem Gang den Grafweg hinunter zur Niedersten Straße schilderte. Das Ausmaß der Zerstörung der Pfarrkirche erläuterte Hilleke anhand eines Berichts von Pfarrer Josef Köster.

Der Bürgermeister weiter: „Drei Bombenteppiche, wobei 132 Fünf-Zentner-Bomben abgeworfen wurden, zerstörten zwischen 10.59 und 11.04 Uhr weite Teile der Stadt und lösten dadurch ein großes Chaos aus. 119 Zivilisten starben; mit Soldaten und Ausländern betrug die Todesquote sogar 200.“ Dieser Mittwoch sei für die Hansestadt zu einem Leidenstag geworden, der wohl in der langen Stadtgeschichte ohne Beispiel sei.

Er sei dem verstorbenen Buchdrucker Theodor Frey sen. noch heute dankbar, dass dieser den Mut aufgebracht und die unglaubliche Zerstörung unter Lebensgefahr in einer umfassenden Fotoserie festgehalten habe. Er dankte auch dem Heimatverein, dass dieser eine solche Ausstellung mit den Fotos von Theodor Frey und (neu) anderen Zeitzeugen jetzt der Öffentlichkeit erneut zugänglich mache. Er schloss seine Ausführungen mit einem Zitat des ungarisch-amerikanischen Wissenschaftlers Edward Teller: „Der Krieg ist nicht undenkbar, aber es ist unangenehm, an ihn zu denken. Deshalb gibt es nur einen Weg, ihn zu vermeiden: Man muss ständig an ihn denken!“

Wie der 1. Vorsitzendes des Vereins, Reinhard König abschließend bekannt gab, ist zu dieser Ausstellung, die noch bis Februar 2011 im Liborius-Heim zu sehen ist, ein 74-seitiger Ausstellungskatalog erschienen, der sämtlich gezeigten Bilder, aber auch die Namen der Attendorner Gefallenen, der Toten des Bombenangriffs und des Explosionsunglücks enthält. Der Katalog ist in der Ausstellung, aber auch im Süd-Sauerlandmuseum, der Geschäftsstelle des Vereins an der Hansastraße, bei den Attendorner Niederlassungen der Volksbank Bigge-Lenne e.G. und den Buchhandlungen Frey, Hintermeier und Hoffmann erhältlich.

(Bericht: K.H. Ernst)

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