Gestern Abend fand in der Mensa der Hauptschule eine Veranstaltung des „Forum Lokale Agenda Attendorn“ statt. Mithilfe des DGB Südwestfalen und von VERDI Siegen/Olpe war es gelungen, Günter Wallraff , den bekanntesten Enthüllungsjournalisten Deutschlands, nach Attendorn zu holen.

Die Person Günter Wallraff ist untrennbar verbunden mit den Rollen, in die der Autor und Journalist für seine Recherchen geschlüpft ist. So war er als Hans Esser vier Monate als „BILD“-Reporter tätig, und erlebte als Türke Ali Levent am eigenen Leib, womit Gastarbeiter in Deutschland zu kämpfen haben. Seine Erfahrungen publizierte Wallraff: 1977 erschien „Der Aufmacher. Der Mann, der bei BILD Hans Esser war“, 1985 wurde „Ganz unten“ publiziert und machte den Autor quasi über Nacht berühmt. 2009 veröffentlichte Wallraf sein aktuelles Buch „Aus der schönen neuen Welt. Expeditionen ins Landesinnere“.

Im ersten Teil seiner Lesung berichtete Wallraff von diesen seinen Erfahrungen als Stadtstreicher und unkelhäutiger Mensch in Deutschland sowie über die Erlebnisse seiner wohl bekanntesten Figur dem Gastarbeiter Ali Levent.

Im zweiten Teil des Abends wurden Praktiken des Arbeitgeber-Anwalts Naujok dargestellt. Dieser arbeitete zusammen mit der Kanzlei Schreiner, die auch eine Niederlassung in Attendorn hat. Wallraffs Aussagen zufolge rät die Kanzlei ihren Klienten zum Teil zu unrechtmäßigen Mitteln. Er habe, so Wallraff die Hoffnung, dass die Kanzlei gegen ihn einen Prozess anstrengen würde, um dann deren Machenschaften noch öffentlicher zu machen. Trotz seiner Bitte, gegen ihn zu prozessieren wurde die Kanzlei bisher noch nicht tätig. Er machte deutlich, dass er bisher alle Prozesse, die gegen ihn angestrengt wurden, gewonnen habe.

Auf die Frage was seine letzte Reportage werden würde, antwortete er, eventuell die Bedingungen in einem Altersheim darzustellen. Noch fühle er sich zu jung dazu und wolle noch gerne einige Enthüllungen aus der Arbeitswelt niederschreiben.

Hier ein paar Eindrücke vom Abend:

[flash http://www.youtube.com/v/mRiGzYXM4-o]

HINTERGRUNDINFORMATIONEN:

Günter Wallraff bei der Arbeit (Eine sehenswerte Dokumentation des ZDF):
Günter Wallraff hat unter dem Namen „Wolfgang“ mehrere Wochen lang mit Obdachlosen auf der Straße und in Notschlafstellen gelebt. Für die Dokumentation „Unter Null“ wollten die Autoren Pagonis Pagonakis und Wallraff herausfinden, wer diese Menschen sind und wie sie ihren Alltag bestreiten.

[flash http://www.youtube.com/v/0ua-EpVk6FQ]

5 Kommentare

  1. Oben im Text heißt es: „Dieser arbeitete zusammen mit der Kanzlei Schreiner, die auch eine Niederlassung in Attendorn hat.“
    Auf der Internetseite der Kanzlei Schreiner wird Attendorn deutlich NICHT als Niederlassung oder Bürostandort angegeben.
    Attendorn wird von dieser Kanzlei Schreiner selbst ausdrücklich als STAMMHAUS (!) benannt.
    Siehe:
    http://www.rae-schreiner.de/standorte/
    Auch ansonsten lohnt sich vor allen für alle Arbeitnehmer und Betriebsräte ein genauer Blick auf den Internetauftritt dieser Kanzlei. Die Eindrücke, die man durch die Schilderungen von Wallraff erhielt, werden dadurch untermauert.
    Hier der Mensch als Marionette als Illustration für die von der Kanzlei Schreiner, STAMMHAUS Attendorn, angebotenen Praxisseminare:
    http://www.schreiner-praxisseminare.de/
    Hier die Eingangsseite der Kanzlei mit folgenden Aussagen im Original:

    Das Recht des Stärkeren
    liegt in der Natur einer jeden Sache.

    Es gewinnt,
    wer Technik und Taktik
    am besten beherrscht.

    Deshalb machen wir nicht alles,
    was Recht ist.
    Sondern in der Hauptsache

    Arbeitsrecht.
    Für Arbeitgeber.

    http://www.rae-schreiner.de/

  2. Da sieht man mal wieder, wie Wallraff arbeitet, nämlich genauso wie die BILD-Zeitung, die er dafür selbst immer angeprangert hat: Das Ergebnis der Recherche steht schon fest, bevor diese überhaupt begonnen hat und das Ergebnis ist selbstverständlich immer streng einseitig und arbeitgeberfeindlich. Mit uns hat Wallraff jedenfalls kein einziges Mal gesprochen, noch nicht einmal einen Versuch für ein Gespräch unternommen. Offensichtlich führt Wallraff lieber Prozesse um die Wahrheit herauszufinden, statt objektiv zu recherchieren.

    Ja, wir vertreten Arbeitgeberinteressen, und das mit voller Überzeugung. Deshalb haben wir aber nichts gegen Arbeitnehmer. Die allermeisten Arbeitnehmer und auch die meisten Betriebsräte bringen sich voll für das Unternehmen ein; ihre Arbeit ist nicht hoch genug einzuschätzen. Aber es gibt eben auch die anderen, die faulen Arbeitnehmer, die nicht arbeiten wollen und den Betriebsfrieden stören, genauso gut wie es Betriebsräte gibt, denen es nur um ihre Eigeninteressen geht und darum, möglichst wenig zu arbeiten. Gegen solche Leute vorzugehen, das ist nicht nur das Recht eines jeden Arbeitgebers, sondern seine moralische Verpflichtung, auch der übrigen Belegschaft gegenüber, die deren Verhalten nämlich immer ausbaden muss. Das man sich bei Linken und Gewerkschaften als Arbeitgeberanwalt keine Freunde macht, wenn man die legitimen Arbeitgeberinteressen erfolgreich vertritt, damit müssen wir leben.

    Mit RA Naujoks haben wir übrigens genauso viel zu tun wie mit Mobbing, nämlich gar nichts. Wir arbeiten immer streng auf dem Boden der Gesetze und kämpfen rechtlich immer mit offenem Visier – anders als Wallraff. Der verteufelt den Einsatz von Detektiven gegen Arbeitnehmer, die sich z. B. krankschreiben lassen und dann doch heimlich ihrem Nebenjob nachgehen, schleust aber selber verdeckt Agenten in Seminare ein, die dann offensichtlich noch nicht einmal verstehen, was sie dort gehört haben. Fest steht jedenfalls, dass ich niemals dazu aufgefordert habe, dem Wahlvorstand bei einer Betriebsratwahl die Informationen zu den Wählerlisten vorzuenthalten, um dann über zwei Jahre einen Prozess führen zu können. Eine solche Aussage wäre auch schlichtweg falsch, weil der Wahlvorstand sich die entsprechende Informationen über eine einstweilige Verfügung innerhalb kürzester Zeit über das Arbeitsgericht besorgen könnte. Wenn man also spioniert, sollte man wenigstens richtig zuhören.

    Als letztes: Der Adler auf unserer Internetseite soll nicht etwa den Kampf gegen die Arbeitnehmer, sondern lediglich strategische Überlegenheit symbolisieren, und zwar nicht was Macht, sondern was Wissen anbelangt. Wer Seminare anbietet, sollte zum Ziel haben, überlegenes Wissen zu vermitteln und dann liegt das Recht des Stärkeren tatsächlich in der Natur einer jeden Sache, auch im Arbeitsrecht.

    Dr. Dirk Schreiner

  3. Sehr geehrter Herr Dr. Schreiner,

    Bitte lassen Sie mich Folgendes anmerken.

    Was ich bestätigen kann, ist, dass die Praktiken, wie von Günter Wallraff beschrieben, zutreffend sind. Ob das auch auf Ihre Person zutrifft, vermag ich nicht zu sagen. Es war aber einer, in Ihrer Kanzlei als Rechtsanwalt tätiger Mitarbeiter, der an meiner letzten Arbeitsstelle die Interessen meines damaligen Arbeitgebers vertreten hat.

    Nach ca. 1 Woche Krankschreibung wurde ich, veranlasst durch meinen damaligen Arbeitgeber, zum Arzt meiner Krankenkasse zwecks Überprüfung meiner Arbeitsunfähigkeit eingeladen. Der Arzt zeigte mir das ihm vorliegende Anschreiben mit dem folgendem Wortlaut, ich zitiere: „Hiermit bezweifeln wir die Arbeitsunfähigkeit des Herrn Keseberg und bitten dies zu überprüfen!“ – Name des Personalleiters und Name der Firma.

    Anmerkung des Arztes, nachdem er meine Unterlagen gelesen hatte: „Die sind verrückt“. Seine schriftlichen Anmerkung unter das Schreiben „Die AU des Herrn Keseberg besteht zurecht!“

    Natürlich wurde Druck ausgeübt. Natürlich wurde mir immer wieder versucht in Gesprächen Aussagen in den Mund zu legen, die ich so nicht gesagt hatte. Als man mir bei dem letzten Gespräch eine Abfindung angeboten hatte und – verzeihen Sie mir – das „Geschachere“ mir zu dumm wurde, habe ich zu den am Tisch sitzenden Beteiligten Folgendes gesagt: Ich zitiere „Wir alle, die wir hier am Tisch sitzen werden uns irgendwo in unserem kleinen Attendorn wiedersehen, wir sollten es doch irgendwie hinbekommen die Sache so zu regeln, dass wir uns noch in die Augen schauen können“ Zitat Ende. Darauf hin machte mir nicht Ihr Rechtsanwalt, sondern der damalige Geschäftsführer ein Angebot, das in soweit akzeptabel war diesen Streit aussergerichtlich beizulegen.

    Wenn ich mir was vorzuwerfen habe, dann das ich erkrankt bin. Im übrigen war dies alles nicht zwingend notwendig, da ich in Zeitrente bin, somit der Firma keine Kosten entstanden. Ich war übrigens zu diesem Zeitpunkt auch ein „Unkündbarer“. Alles im einzelnen aufzuführen, würde den Rahmen hier sprengen.

    Eine persönlichen Anmerkungen zum Thema Wallraff: Sollten die Praktiken, wie von Herrn Wallraff beschrieben, nicht die Ihren sein, würde ich meinen Angestellten eine Arbeitsanweisung erteilen, dass ich nicht in solch einen Verdacht geraten würde.

    Ich finde es grundsätzlich nicht in Ordnung andere auszunutzen, da gebe ich Ihnen Recht. Das gilt immer für alle Seiten. Und für alles andere, haben wir den Gesetzen zu folgen. Das wissen Sie sicherlich besser als ich.

    Mit freundlichen Grüßen

    Ihr
    Klaus Keseberg

  4. Es ist schon beeindruckend und mutig, wie sachlich und offen Klaus Keseberg schildert, was er mit einem Mitarbeiter der Kanzlei Schreiner erlebt hat! Und es ist erschreckend, dass sich auch Attendorner Firmen der von Günter Wallraff in seinem jüngsten Buch „Aus der schönen neuen Welt“ geschilderten Mittel bedienen, um Unkündbare loszuwerden! Aber wenn die Kanzlei Schreiner hier ihren Stammsitz hat, wird es wohl auch genug Mandantschaft geben!

    In den Kommentaren zur Lesung mit Günter Wallraff in Attendorn wird vermutlich nur die Spitze eines Eisberges sichtbar. Ein Anwalt, der sich ebenfalls auf das Arbeitgeberrecht konzentriert und von Wallraff ausführlich vorgestellt wird, ist Helmut Naujoks. Dr. Dirk Schreiner grenzt sich in seinem Kommentar ja ausdrücklich von diesem ab, obwohl einer seiner Mitarbeiter (s. Kommentar Keseberg) sich dessen Methoden bedient. Besagter Helmut Naujoks war jüngst in der Talkshow von Anne Will („Stress, Druck, Mobbing – Wenn der Chef zum Feind wird“) zu erleben, wo es um Bossing ging. Naujoks in der Sendung: „Der Arbeitgeber wird in Deutschland immer als Täter, der Arbeitnehmer immer als Opfer dargestellt. Dagegen verwehre ich mich, Frau Will!“

    Die Gewerkschafterin Christina Frank arbeitet derzeit an einem Buch über seine Methoden – sie rät jedem, der mit Naujoks in einem Gerichtsverfahren in Konflikt gerät, dringend, sich dann direkt an eine Gewerkschaft sowie an die Öffentlichkeit zu wenden! Dieser Rat ist sicherlich auch hilfreich für ArbeitnehmerInnen, deren Chef juristischen Beistand von der Kanzlei Schreiner erhält. Die Mitveranstalter der Wallraff-Lesung in Attendorn, Ver.di Siegen-Olpe und der DGB Südwestfalen sind da gute Adressen!

    Dr. Bärbel Röben
    Mitglied im SprecherInnenrat des Agendaforums Attendorn und
    Freien-Vertreterin im Bezirksvorstand Ver.di Siegen-Olpe

  5. Ich verstehe nicht, dass unser Gesetz solche Vorgehensweisen zulässt.
    Im ZDF kam vorhin eine ausführliche Reportage mit Günter Wallraff, wo auch Dr. jur. Schreiner ein relativ großes Thema war. Und verzeihung Herr Dr. Schreiner, aber laut Kamerateam wurde nachgefragt – nur entweder erhielt man keine Antwort oder es wurde sich nur herausgeredet.

    Ich finde es erschreckend, dass sowas in einer Kleinstadt wie Attendorn anscheinend auch Gang und Gebe ist Mitarbeiter mit dreisten und unmenschlichen Methoden aus Betrieben „herauszuekeln“.

    Zu der Aussage von Dr. jur. Schreiner „[…] Wir arbeiten immer streng auf dem Boden der Gesetze und kämpfen rechtlich immer mit offenem Visier […]“, kann ich nur sagen: Wo es keine klaren Gesetze gibt, kann man auch elegant durch die Hintertür klttern.

    Mit freundlichem Gruß

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