Sonntag, 26. Oktober 2014

Fräulein Schulz, Pascal und Kondome

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Die Klasse 4 der Sonnenschule Attendorn im Attendorner KrankenhausIn diesem Jahr konnten die Jungen der Klasse 4a der Sonnenschule in Attendorn ganz beruhigt am Altweibertag in die Schule gehen: Anstatt den ganzen Morgen vor wild gewordenen Klassenkameradinnen mit knallrotem Lippenstift auf der Hut zu sein und die halbe Schulzeit auf der Jungentoilette versteckt verbringen zu müssen, ging es an diesem Morgen brav gemeinsam mit den Mädchen und der Klassenlehrerin Angela Klose ins Attendorner Krankenhaus auf Station 5 der Gynäkologie. Stand doch dort der praktische Abschluss des Themas „Sexualkunde“ bevor.

Drei Wochen lang hatten sich die Kinder fächerübergreifend intensiv mit dem Thema beschäftigt. Theoretisch wurden zunächst viele Fragen erörtert: „Worin unterscheidet sich der Körper der Mädchen von dem der Jungen?“, „Was passiert körperlich und seelisch in der Pubertät?“, „Wie sieht richtige Körperhygiene aus“?, „Was versteht man unter einer Beschneidung, was ist eine Menstruation und ein Samenerguss, was bedeutet schwul und lesbisch sein, was ist Selbstbefriedigung?“, „Welche Verhütungsmittel gibt es, wie entsteht ein Baby, was passiert bei der Geburt und wie entstehen ein- und zweieiige Zwillinge?“

Parallel dazu wurden im Deutschunterricht zwei Bücher von Manfred Mai gelesen: “Leonie ist verknallt” und “Eine Klasse im Fußballfieber”. Mit dem ersten Buch konnten sich besonders die Mädchen aus der 4a sehr gut identifizieren, denn hier verliebt sich die Viertklässlerin Leonie zum ersten Mal in den süßen Florian. Mit der Lektüre “Eine Klasse im Fußballfieber wurden insbesondere die zahlreichen Jungen angesprochen, denn hier verknallt sich “Ballack” in Sophia. Beim gemeinsamen Fußballtraining kommen sich die beiden dann näher.

In Musik wurde thematisch die “Vogelhochzeit” von Rolf Zuckowski ausgewählt, bei der in zwölf Strophen die Geschichte von einem Vogelmännchen erzählt wird, das sehr einsam ist und darum beschließt, mit schönem Gesang ein Weibchen anzulocken, um mit ihm eine Familie zu gründen.

Auf der Station 5 wurden die Kinder von den Oberärzten Dr. Karl Strasser (Gynäkologie) und Dr. Torsten Schulz (Chirurgie) herzlich empfangen. Ganz besonders freute sich die Viertklässlerin Zoe über diesen Ausflug, da auch ihre Mama Miriam Schulz, in der 30. Woche schwanger, anwesend war. Sie hatte sich auf einem Elternabend spontan für einen modernen 3D-Ultraschall zur Verfügung gestellt und nun hatte Zoe die einmalige Gelegenheit, ihr noch ungeborenes Schwesterchen “Fräulein Schulz” einmal kennen zu lernen.

Die Klasse 4 der Sonnenschule beim Ultraschall im Attendorner Krankenhaus
Bevor Dr. Strasser den Kindern die Ultraschallaufnahmen bei Miriam Schulz zeigte, erläuterte er das Gerät bei einem der Schüler

SChüler der Sonnenschule beim Schwangerschaftsunltraschall
Staunend betrachten Angela Klose und die 4.Klässler die Ultraschallaufnahmen vom ungeborenen Nachwuchs der Familie Schulz

Oberarzt Dr. Strasser ermunterte die Kinder sogar, selber einmal den Ultraschall an dem Ungeborenen auszuprobieren, aber natürlich bekam niemand so tolle Bilder von dem Baby hin wie der Ultraschallexperte selbst. Mit geübten Bewegungen des Ultraschallkopfes spürte Dr. Strasser gekonnt einzelne Körperteile des Babys auf und zeigte sie den staunenden Kindern auf dem großen Monitor.

Restlos begeistert waren die Kinder auch von dem winzigen Pascal, der kurz zuvor mit Kaiserschnitt geholt worden war. Staunend und ehrfürchtig betrachteten die Kinder auf dem Arm der Hebamme Dunja Friske das Wunder Mensch, das gerade mal eine Dreiviertelstunde auf der Welt war, aber schon neugierig umherschaute, gähnte, lächelte und an den Fingerchen lutschte.

DIe Schüler der Klasse 4 Sonnenschule bei einem Neugeborenen
Wurde von den 4.Klässlern gebührend bestaunt: Pascal, der gerade einmal 45 Minuten auf der Welt war.

Im Zusammenhang mit der Geburt des kleinen Pascal wurden von der Hebamme kindgerecht auch die Themen “Kreissaal”, “Wassergeburt”, “Kaiserschnitt”, “Saugglocke” und “Geburtszange” angesprochen. Einige Mutige ließen sich sogar eine Saugglocke in der Handfläche anbringen und die Zange am Kopf anlegen. Zum Schluss durften die Kinder dann auch noch das Überziehen eines Kondoms am Vaginalultraschallkopf üben. Das war gar nicht so leicht und klappte oft erst im zweiten Anlauf.

Angela Klose war schon etwas verwundert, wie schüchtern die Kinder in dieser besonderen, für sie neuen Situation waren, da sie im Klassenunterricht vollkommen offen und frei über alles gesprochen hatten.

Aber Dr. Strasser ließ nicht locker. Er wollte alles genau wissen und fragte todernst und geduldig bis zum bitteren Ende immer wieder nach: “Tja, wie ist das Baby denn nun in den Bauch von Frau Schulz gekommen?” – Kicher, kicher… “Durch Sex!” – “Aha, also durch Sex. Was ist das denn?” – Kicher, kicher… “Man geht zusammen ins Bett.” – “So, so, man geht also mit irgend jemanden zusammen ins Bett, legt sich hin und dann kriegt man ein Kind?” – Kicher, kicher…. “Nee, man geht mit seinem Freund oder seiner Freundin oder seinem Mann ins Bett und dann muss man sich ausziehen.” – Ah ja, was muss man denn alles ausziehen?” – Kicher, kicher…. “Alles!” – “Wieso denn alles?” – “Kicher, kicher….

Zum Abschluss der Unterrichtsreihe haben sich die Kinder noch den Film “Die wilden Hühner und die Liebe” gewünscht. Und dann müssten sie eigentlich gewappnet sein fürs “erste Mal”.

Text und Fotos: Karl-Hermann Ernst

Kommentare

  1. so ein mist hatten wir in there schule nicht.

  2. so ein mist hatten wir in there schule nicht.

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